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DER ZUSAMMENHANG VON SCHÄRFE UND PIXELANZAHL/-GRÖßE

Heute geht es mal wieder um so ein richtiges Nerd-Thema. Foto-Nerd… Wir werden wirklich Pixel zählen. So schlimm wie es klingt, wird es zwar auch nicht werden aber trotzdem ist es jetzt nicht gerade das Kreativthema des Tages. 🙂 Für alle die also lieber im Bunte-Farbe-Malkasten rumspielen und sich die Fotografie mit ach so schönen Fantasien ausmalen, die von Technik, Pixeln und Sensoren nix zu tun haben wollen, die dürfen den heutigen Post zum eigenen Seelenfrieden gerne überspringen. Der Rest, kriegt Technik Technik Technik in guter alter Krolop-Fanatisten-Manier. Dabei will ich die nachfolgenden Ausführungen möglichst EINFACH und SIMPEL halten. Und nein, es geht nicht um Zerstreuung oder sonstige Physik. Es geht um Praxis und Ergebnisse.

Worum geht es heute also? Um die Schärfe und den Zusammenhang mit der Anzahl Megapixel. Ich habe ja schon oft, z.B. im Podcast, über die D800 als kleine Diva gesprochen. Eine Diva, die zwar ziemlich tolle Bilder macht, aber unglaublich schwer zu fotografieren ist. Und damit ist gemeint, dass es schwer ist, die Kamera voll auszureizen. Die optimale, 100% Schärfe der Kamera zu bekommen ist schwere als sonst. Und normale Regeln gelten nicht immer.

Ein Hauptgrund ist dabei die Anzahl der Megapixel und die Ursache ist auch einfach zu erklären. Mit der immer größer werdenden Anzahl an Megapixel werden immer mehr Pixel auf den Sensor gepresst. Und damit verändert sich ein essentielles Element von Schärfe.

Während der Belichtung, egal ob Dauerlicht oder Blitzlicht, kann sich das Motiv im Bild bewegen. Diese Bewegung können wir durch die Dauer der Belichtung oder die Dauer des Abbrennen des Blitzes steuern. Je kürzer und schneller dies ist, umso schärfer wird das Foto. Ganz ausschließen kann man diese Bewegung aber nie sondern nur “verkleinern”. Jedes Motiv bewegt sich und beim Auslösen wird auch die Kamera immer leicht verrissen. Es kann also zu kleineren Bewegungsunschärfen kommen bzw. diese existieren in jedem Foto automatisch.

Während wir jetzt große Pixel auf dem Sensor vorfinden, so wird viele Bewegung von der Pixelgröße selbst verschluckt. Je mehr Pixel das Bild ausfüllen, umso aggressiver stellt sich die Bewegung dar. Dafür gibt es das Schaubild unten.

Eine Bewegung ist mit dem Pfeil simuliert und auf der rechten Seite befindet sich die Bewegung im Pixel selbst. Damit wird die Bewegung niemals sichtbar auf dem Bild dargestellt. Ein verschmierter Pixel sieht eben genauso scharf aus wie ein scharfer Pixel. Ein Pixel ist ein Pixel. Kommt jetzt die dreifache oder noch höhere Anzahl an Pixel auf die gleiche Bewegungsgröße, so entsteht die Unschärfe und wird plötzlich sichtbar.

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ACHTUNG: Dabei ist bei diesem Vergleich nur die Anzahl der Pixel auf dem Bild ausschlaggebend. Egal ist wie groß der Sensor ist oder wie groß die Pixel des Sensors sind. Zerstreuung, mir egal… Ich betrachte an dieser Stelle nämlich nur ein und das selbe Motiv (Ausschnitt) mit mehr oder weniger Pixel. Man könnte das Bild auch mit einer Mittelformat-Kameras mit extrem großen Pixeln fotografieren, hätte die gleiche Wirkung. Wichtig für den Vergleich ist eben, dass das Motiv gleich groß aufgenommen wird.

Bei der D800 ist diese Art von “Bewegungsunschärfe” so verdammt oft sichtbar. Man merkt, dass es nicht die optimale Schärfe ist, sondern eben leicht unscharf. Am häufigsten ist diese Unschärfe erkennbar bei Haaren. Die zittern meistens und sind nie wirklich still.

Je höher die Auflösung in einem Foto, umso stärker sind Bewegungen und Fehler sichtbar. Verhält sich im Endeffekt wie bei 4K oder HD Video. Was man früher kaum gesehen hat, das ist plötzlich unglaublich sichtbar. Ein Grund, warum es HD-MakeUp gibt. Für uns Fotografen heißt es also langsam, alte Regelsätze anpassen…

Daher gilt für D800 / D810 der alte Regelsatz mit der längsten Belichtungszeit als “der Kehrwert der Brennweite” nicht mehr wirklich. Gerade in der Peoplefotografie fotografiere ich beim 50er niemals unter einer 1/250s. NEVER… da bewegt sich sonst einfach zu viel.

Hier ist ein Beispielfoto aus der D800 in der Rohversion mit 36 Megapxiel als Verkleinerung zu finden. Das Foto ist ein JPG direkt aus der Kamera und wurde nicht entwickelt. Schärfe und sonstige Einstellungen waren allesamt “neutral” und ohne zusätzliche Effekte. Nr. 1 ist das gesamte Foto, dann folgt der 100% Crop aus der D800, als drittes Foto wurde die Auflösung einfach mal künstlich um 40% reduziert. Das entspricht dann ungefähr einer 20 Megapixel-Kamera. Bei der Größenreduktion wurde darauf geachtet, dass keine Schärfen eingesetzt wurde sondern die Pixel lediglich zusammen addiert wurden. Das 3. Bild entspricht also CIRCA dem Ergebnis, was eine 20 Megapixel-Kamera an genau dieser Stelle abgeleistet hätte. Man merkt, die kleinen Bewegungen der Haare können durch die reduzierte Anzahl der Pixel gar nicht gleich stark aufgenommen werden. Das Verschmieren geht “unter”.

Das Ergebnis wirkt extrem viel schärfer und knackiger. Zurückzuführen ist dieses Ergebnis auf die oben genannten Gründe.

EINSCHUB: Beim Reduzieren der Größe kann übrigens die Schärfe auch gesteigert werden. Das geschieht durch eine Verrechnungsmethode bei der die Pixel so zusammengeführt werden, dass der Kontrast zwischen den Pixeln gesteigert wird.

ACHTUNG: Ein Bild wird deswegen nicht unschärfer!!! Sogar im Gegenteil. Das etwas unscharfe Foto der 36MP dürfte nach der Verkleinerung auf 20MP sogar noch mehr Details haben. Es geht aber um die maximale Schärfe und da ist es einfach zu sagen. Je mehr Megapixel ein Foto hat, umso schneller kommen Fehler zur Ansicht. Fotografiert man das gleiche Bild mit einer 10 Megapixel-Kamera, dann hat man zwar eine “schärfere Wirkung” in der 100% Ansicht, es ist trotzdem weniger Information im Bild als bei den 36Megapxiel. Es geht also um die 100% Ansicht.

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Dieser Effekt sollte immer im Hinterkopf behalten werden. Gerade bei neuen Kameras…

Niemals, und ich meine wirklich NIEMALS, darf man aber eine Tatsache vergessen. Je höher und höher die Auflösung wird, umso schwieriger wird es vielleicht die 100% Schärfe zu erreichen, trotzdem sagt die Schärfe niemals etwas über das Foto aus. Ganz im Gegenteil, teilweise fotografieren wir auch gerne mit 1/50 oder 1/60 aus der Hand und lassen das Model sich leicht bewegen. Die sanfte Unschärfe gibt unglaubliches Leben in das Bild. Außerdem steht die Frage im Raum, ob wir wirklich die 36 oder 40 Megapixel brauchen? Zwei wichtige Fragen die es für jedes Foto neu zu beantworten gilt. Brauche ich die verdammte Auflösung überhaupt oder sieht das Foto evtl. sogar noch besser mit etwas Dynamik aus.

Daher jetzt eine kleine Diashow mit Fotos die allesamt grenzwürdig fotografiert wurden… Belichtungszeiten um die 1/60s sind da drin enthalten :-)… Hätte man wohl alle Fotos löschen müssen, oder?

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Für uns geht es gerade im Moment nach Südtirol. 10h im Auto während ihr den Sonntag genießen dürft. In diesem Sinne einen schönen Sonntag und haut rein, letzte Sonnenstrahlen nutzen und tolle Fotos machen. Das ist ein Befehl!!

Lieben Gruß
Martin

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Das Paddy und Das Maddin – Staffel 2 – Folge 15