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DIE SACHE MIT DEM ZUFALL… TECHNIK MAL ANDERS!

Heute geht es um den Faktor Zufall und das Eingestehen, dass als Fotograf nicht alles planbar ist und die besten Fotos im Teil sicherlich noch durch Zufall entstehen. Es geht auch um die Öffnung der eigenen Mentalität gegenüber Sackgassen und Irrwegen. An vielen Stellen im Internet wird immer wieder gerne gezeigt, wie planbar und sicher Fotografie sein sollte. Immer wieder liest oder hört man Fotografen behaupten, dass “sie immer alles bereits vorher im Kopf hätten” und dass “ein guter Fotograf alles vorher plant”.

Ja, anscheinend bin ich kein guter Fotograf. Jedenfalls nicht nach dieser Definition. Dabei mag ich es mir Gedanken zu machen, ich mag es vorher zu grübeln und verschiedene Option bereits parat zu legen. Aber im Endeffekt kommt es in 99,9% der Fälle dann doch anders. Entweder ungeplant oder gesteuert.

Als heutiges Beispiel, bevor ich dann weiter schreibe, möchte ich ein Fotoshooting vor mir aus dem Ende des diesjährigen Sommers anführen. Ich war in Berlin und hatte die Ehre Jenny zu fotografieren. Einpackt hatte ich nur den Hinbei FLII 500, einen Ringblitz und die Nikon D800. Es war nämlich geplant einen knalligen und schrillen Glam-Look zu fotografieren. Jenny ist ein großartiges Model und provoziert auf Fotos gerne bzw. rockt mit einer unglaublichen Präsenz. Die Planung war diese Mentalität durch das Blitzen und insbesondere durch den sehr krassen Ringblitz-Look noch zu verstärken. Ein derartiges frontales Licht kann die Direktheit der Bilder steigern und weiter in den Vordergrund bringen. Soweit zum Plan.

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Hier mal die Ergebnisse… 🙂 HÜSTEL…

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Von Ringblitz ist da aber weit und breit nix in Sichtweise. Richtig! Denn hier wurde nicht geblitzt. Der Blitz wurde abgestellt und es wurde mit dem vorhandenen Licht fotografiert. Einstellungen an der Kamera waren ISO400, 1/125s (für die Nikon schon grenzwertig kritisch!) und das Ganze bei einer Blende von 2.8.

He? Wie passt jetzt das? Die Geschichte ist kurz und einfach. Ich war beim Fotografieren mit dem Ringblitz zu schnell, wollte zu früh ein Foto machen und der Blitz war nicht wieder aufgeladen. Konsequenz meiner Voreiligkeit war das Nichtzünden des Blitzes. Und in genau diesem Moment, war eine Wolke aufgegangen und ein riesiger Schwall an indirektem Licht (keine direkte Sonne auf das Model) wuchtete meine Grundhelligkeit auf dem Bild um gute 2 Blenden nach oben. In genau dem Moment des Auslösens! Wäre es früher passiert, hätte ich die Belichtung nachgeregelt, wäre es später passiert, wäre der Wolkenriss schon wieder geschlossen gewesen. Aber es war nicht früher oder später. Es war perfekt in der Sekunde des Auslösens und plötzlich war es da. Ein grandioses Bild fand sich auf meinem Display…

Und es war einfach besser als das was ich vorher dort gesehen hatte. Es war besser als meine Ringblitz Idee. Auch wenn es noch so schon klang, mit dem Ringblitz die Direktheit auf das Model zu übertragen, es war eben nicht die beste Idee vor Ort. Und wer hatte es mir gezeigt. Herr Zufall kam vorbei, sagt freundlich Hallo und wies mich in meine Schranken!

Und ich bin ehrlich gesagt froh darüber. Denn auch wenn mein fotografischer Stolz unter derlei Momenten kräftig leidet, so gewinnt dafür das Bild an Qualität. Und darum geht es doch, nicht um meinen Stolz. Fehler machen wir alle und ein häufiger “Martin-Fehler” ist das Überstrapazierens von Planung, Planung und Planung. Offenheit und Unvoreingenommenheit sind genauso wichtige Elemente in der Fotografie wie Planung.

Deswegen hier ein kräftiger SHOUTOUT… an alle Fotografen da draußen! Seid frei, guckt über eure Planungen und lasst auch den Zufall an euren Bildern mitwirken. Ihr werdet keine schlechteren Fotografen dadurch und nur schlaue Menschen wissen, dass es noch einen schlaueren Menschen geben muss. Nur gute Fotografen wissen, dass man als Fotograf nicht alles planen und in Händen halten kann.

Lieben Gruß

Martin

PS: Herr Böttcher wäre stolz auf mich in Punkto Schärfe und Gesicht 🙂

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