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WAS NIEMAND WEISS… DER CANON DYNAMIK PUSH – TONWERT PRIORITÄT GEHT INS RAW!

Heute gibt es einen speziellen Beitrag für alle Canon-Fotografen. Und ja, CANON ONLY. Schließlich gibt es immer noch mehr als nur Sony, Fuji und MFT auf dem Kameramarkt und Canon ist und bleibt die längste unserer Kamera-Marken.

Heute soll es kurz und knapp um die Tonwert-Priorität von Canon gehen. Eine Funktion die ich in fast allen möglichen Fällen angeschaltet lasse und nur gezielt in wenigen Situationen ausschalte.

Die Tonwert Priorität erzeugt keine tatsächliche zusätzliche Dynamik sondern eine effektives Plus in der Praxis. Wie funktioniert die Tonwert-Priorität denn? Kurz erklärt ist es ein Beschiss. Die Kamera belügt uns. Es wird mit einer dunkleren ISO Einstellung fotografiert und das Bild wird nachträglich heller gemacht. Und zwar von der RAW Engine. Was ich im Display angezeigt bekomme ist also eine bereits um genau eine Blende aufgehellte Aufnahme. Daher ist ISO 200D+ (D+ ist das Zeichen für die Tonwert-Priorität) auch genau das Gleiche im Display wie ein tatsächlich mit ISO 200 aufgenommenes Foto. Dunkelt man aber beide Aufnahmen gleich stark ab, dann erkennt man, dass in der D+ Aufnahme eine Blende mehr Zeichnung in den Lichtern steckt. Eben genauso als hätte man das Bild eine Blende zu dunkel fotografiert. Ist es ja auch. Die Kamera schaltet also eine RAW-Entwicklung mit plus 1 Belichtung dazu und fotografiert das Bild im Hintergrund aber zu dunkel.

Das was wir Fotografen also sowieso machen sollten, das macht die Kamera jetzt im Hintergrund.

Fragt sich jetzt, warum das besser sei. Denn der aufmerksame Leser wird sicherlich schon fragen ob dann nicht das Rauschen in den Tiefen stärker wurde. Die Antwort ist JEIN. Theoretisch werden alle Stellen, auch die Tiefen um eine Blende aufgehellt und das ist genau anders herum, als EXPOSE TO THE RIGHT eigentlich empfiehlt. In der Praxis macht sich diese Sache aber nicht großartig bemerkbar. Dafür kann der Unterschied in den Spitzlichtern extremst sein.

Machen wir doch einen kurzen Ausflug in eine wichtige fotografische Grundlage.

These: “Weiß stört in einem Foto mehr als Schwarz.” – Erklärung: Das menschliche Auge ist schwarz gewöhnt, weiß hingegen gar nicht. Weiß ist Schmerz. Schauen wir in die Sonne, dann sehen wir weiß aber dann tut es weh. Immer wenn unser menschliches Auge weiß sieht, dann blendet es ab, wir kneifen die Augen und versuchen GRAU draus zu machen. Schwarz hingegen ist etwas völlig Natürliches. Es wird abends dunkel, ich schaue aus dem Fenster und sehe nix. Schwarz! Aber ist völlig ok, ist ja Nacht. Ich meine damit übrigens nichts technisches sondern ich spreche lediglich auf das gewohnte Sehen an, also auf unsere menschlichen Sehgewohnheiten.

Wir sollten also als Fotografen die weiß ausgebrannten Stellen viel mehr fürchten als die schwarzen Stellen im Bild oder gar etwas Rauschen. Ich fotografiere grundsätzlich mit allen Nicht-Canon-Kameras deutlich dunkler um genau diesen Effekt zu vermeiden.

Mit der Tonwert-Priorität übernimmt das die Kamera für mich und ich muss mir nicht ständig ein viel zu dunkles Foto angucken oder dem Model sagen, dass es völlig normal sei, dass man fast nix auf dem Foto erkennen könne und nachher würde das dann ganz anders werden. Ich fotografiere ganz normal, achte wie gewohnt darauf Spitzlichter so gut es geht zu vermeiden und weiß, dass die Kamera mir nach oben eine stärkere Reserve lässt als unten.

Daher beschreibe ich die TonwertPrio gerne als eine Art Asymmetrie der Dynamik. Die Balance zwischen Tiefen und Lichtern wird verschoben. Ich habe weniger Spielraum in den Tiefen aber dafür eben diesen Spielmehr mehr in den Weißwerten.

Die Tonwert-Priorität verschiebt die Balance zu Gunsten der Lichter. Deswegen auch das Wort “Priorität”. Schwarz und Weiß sind nicht mehr gleich wichtig, die Weißwerte zu schützen ist wichtiger!

Und wie krass dieser Unterschied sein kann, das zeigt das nachfolgende Beispiel. Anhand des Grundbildes erkennt man absolut keinen Unterschied. Niente!

Erst wenn die Belichtung um den maximalen Wert von 5 Stufen reduziert wird, erkennt man was für eine Macht in der Datei steckt.

Programm für den Vergleich war übrigens Lightroom CC. Die D+-Datei wird übrigens korrigiert eingelesen. Also die Belichtung steht auf 0 und das Foto ist gleich hell wie die Aufnahme ohne D+. ISO200 entspricht also ISO200.


Natürlich waren beide Bilder heillos überbelichtet und die TonwertPrio rettet genau eine Blende. Mehr nicht. Aber diese eine Blende in den Spitzen kann wirklich den entscheidenden Unterschied machen ob in den Wolkenrändern oder der Glatze noch Zeichnung zu finden ist, oder nicht.

Viele Fotografen scheuen sich übrigens gezielt dunkler zu belichten. Da ist es wirklich sehr hilfreich wenn das die Kamera übernimmt, ohne dass man es als Fotograf störend wahr nimmt.

Es gibt allerdings auch Situationen in denen man die Funktion deaktivieren muss/sollte.

  1. Sehr helles Umgebungslicht gepaart mit dem Wunsch bei sehr offenen Blenden arbeiten. Also z.B. ein Sommer mit grellem Sonnenlicht und das Foto soll bei f1.4 gemacht werden. Ab f2 oder gar f2.8 braucht man die Tonwert Priorität meistens nicht abschalten. Dann reichen für gewöhnlich 1/8000 schon aus.
  2. Hohen ISO-Werten. Bei hohen ISO-Werten sollte man sowieso nicht in Hochkontrastsituationen arbeiten. Denn die Dynamik des Sensors fällt dabei immer weiter ab und die Tiefen werden dann schon ohne die D+ Funktion rauschig. Ich spreche dabei aber, je nach Kamera natürlich, von Werten ab 3200 oder gar 6400.
  3. Niederkontrastsituationen die weit unter der Dynamik der Kamera liegen brauchen auch keine Tonwert Priorität. Da schaltet man für maximale Qualität die Funktion ebenfalls ab.

Übrigens kann die Funktion in das grüne Menü gelegt werden und ist damit im sehr schnellen Zugriff und jederzeit zu erreichen. Dann handelt es sich wirklich nur noch um zwei oder gar drei Knöpfe und die Funktion ist an oder gar wieder aus. Diese Mühe sollte man sich als außergewöhnlicher Fotograf allerdings schon machen können.

Also nochmals zur Zusammenfassung:

Die TP ändert nicht die tatsächliche Dynamik, sie verschiebt bloß die Balance hin zu mehr Dynamik in den Lichtern, weniger in den Tiefen. Sie macht das, ohne dass wir es mitbekommen und auch die JPGs direkt aus der Kamera werden direkt von der Kamera bei der Aufnahme korrigiert. Die Tonwert Priorität ist in den allermeisten Situationen sehr hilfreich weil die bösen Weißwerte besser geschützt sind als die viel unwichtigeren Schwarzwerte.

Lieben Gruß

Euer Martin


Anbei noch die Rohdateien zum Download und selbst gucken! Kamera war eine 5D Mark IV aber die TonwertPriorität hat jede Canon bis runter zur 1000D oder noch drunter.

Ein Kommentar

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  1. Interessanter Beitrag. Allerdings werden die beiden Beispielbilder bei mir nicht angezeigt. Ich sehe nur schwarze Flächen.

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