Tamron 35–100mm F2.8 im Praxistest: Das perfekte Zoom als Ergänzung zu Festbrennweiten?
35 bis 100 Millimeter bei durchgängiger Blende F2.8 – auf den ersten Blick wirkt dieser Brennweitenbereich etwas ungewöhnlich. Kein echtes Weitwinkel, weniger Tele als beim großen 35–150mm und dazwischen jede Menge Konkurrenz durch klassische Festbrennweiten. Nach mehreren intensiven Portraitshootings auf Fuerteventura hat sich unsere anfängliche Skepsis allerdings ziemlich schnell erledigt. Denn gerade für People-Fotografen könnte das Tamron 35–100mm F2.8 eine überraschend sinnvolle Ergänzung im Fotorucksack sein.
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Warum ausgerechnet 35–100 mm?
Unsere erste Reaktion auf ein 35–100mm-Zoom war tatsächlich eher skeptisch. Warum sollte man den klassischen Bereich eines 28–75mm nach oben verschieben? Man verliert schließlich den Bereich zwischen 28 und 35 Millimetern und gewinnt dafür „nur“ 25 Millimeter am langen Ende.
Auf dem Papier klingt das zunächst nach einem ziemlich kleinen Unterschied.
In der Praxis sieht die Sache völlig anders aus.
Gerade bei People- und Portraitfotografie haben sich die zusätzlichen 25 Millimeter am langen Ende für uns als wesentlich wertvoller herausgestellt als die verlorenen sieben Millimeter im Weitwinkelbereich.
Denn 35 und 100 Millimeter erzeugen bereits zwei deutlich unterschiedliche Bildwirkungen. Bei 35 mm können wir einen Menschen bewusst in seine Umgebung integrieren. Bei 100 mm bekommen wir dagegen einen klaren Tele-Look mit stärkerer Verdichtung und können uns auf Details und engere Portraits konzentrieren.
Und das alles, ohne das Objektiv wechseln zu müssen.
Das Tamron 35–100mm F2.8 in der Portraitfotografie
Ob ein Brennweitenbereich sinnvoll ist, hängt immer davon ab, was und wie man fotografiert.
Für Wildlife oder bestimmte Bereiche der Landschaftsfotografie wäre ein 35–100mm vermutlich nicht unsere erste Wahl. In der People- und Portraitfotografie sieht das völlig anders aus.
Hier liegt der entscheidende Vorteil darin, innerhalb weniger Sekunden zwischen unterschiedlichen Bildwirkungen wechseln zu können.
Ein typisches Portraitshooting besteht für uns selten nur aus einem einzigen Bildausschnitt. Wir möchten einen Opener fotografieren, der die gesamte Szene zeigt. Danach vielleicht ein klassisches Portrait. Anschließend ein Detail. Dann eine engere Aufnahme des Gesichts oder ein Bild, bei dem Kleidung, Rücken, Haare oder andere Elemente im Mittelpunkt stehen.
Mit einer Festbrennweite bedeutet das: Position verändern oder Objektiv wechseln.
Mit dem 35–100mm reicht eine kurze Bewegung am Zoomring.
Und genau das kann in bestimmten Situationen einen enormen Unterschied machen.
Wenn ein Zoom die Festbrennweite schlägt
Ein besonders gutes Beispiel dafür war ein Sonnenaufgangsshooting auf Fuerteventura.
Die Sonne steigt dort unglaublich schnell über den Horizont. Für die perfekte Lichtstimmung bleiben teilweise nur wenige Minuten. Gleichzeitig standen wir zwischen rutschigen Steinen am Wasser, während das Model in High Heels posierte.
Das ist keine Situation, in der man permanent mehrere Meter vor- und zurücklaufen möchte.
Wir wollten trotzdem unterschiedliche Bilder bekommen: Ganzkörperaufnahmen mit viel Umgebung, klassische Portraits und engere Details des Rückens, des Kleides und des Tattoos.
Dazu kamen zwei Lichtquellen: die aufgehende Sonne und ein Blitz, der von der anderen Seite arbeitete. Die Positionen ließen sich also ebenfalls nicht beliebig verändern.
Genau hier zeigte das 35–100mm seine Stärke.
Statt ständig die eigene Position zu verändern, konnten wir den Bildausschnitt innerhalb weniger Sekunden anpassen. Aus einer weitläufigeren Szene wurde ein engeres Portrait und wenige Augenblicke später ein Detail bei 100 mm.
Natürlich hätten wir auch mit einer Festbrennweite ein gutes Foto bekommen.
Die entscheidende Frage ist aber nicht, ob ein einzelnes gutes Bild möglich gewesen wäre. Entscheidend sind Auswahl, Varianz und Trefferquote.
Und genau dabei war das Zoom in dieser Situation klar im Vorteil.
35 mm: Wenn die Umgebung Teil des Portraits werden soll
Gerade auf einer Insel wie Fuerteventura möchten wir die Location nicht einfach in Unschärfe verschwinden lassen.
Strand, Felsen, Wasser, Wüste und Sonnenuntergänge sind ein wichtiger Bestandteil der Geschichte eines Bildes.
35 Millimeter sind dafür ein sehr interessanter Ausgangspunkt. Die Brennweite ist weit genug, um Umgebung einzubeziehen, ohne dass wir sofort einen extremen Weitwinkel-Look bekommen.
Besonders bei Paarshootings funktioniert das hervorragend. Statt nur zwei Personen zu zeigen, können wir die Atmosphäre um sie herum mitnehmen: das Meer, die Wellen, das Licht und die Weite der Landschaft.
Dadurch entsteht ein klassischer Environmental-Portrait-Look, bei dem nicht nur der Mensch, sondern auch der Ort eine Rolle spielt.
100 mm: Portraits, Details und ein deutlich anderer Look
Am anderen Ende des Zooms warten 100 Millimeter – und genau diese zusätzlichen Millimeter haben uns in der Praxis besonders überzeugt.
100 mm fühlen sich bereits deutlich nach Tele an. Perspektive und Hintergrundwirkung verändern sich sichtbar und ermöglichen Bilder, die sich stark von den Aufnahmen bei 35 mm unterscheiden.
Bei Portraits können wir damit beispielsweise das Gesicht stärker isolieren oder bewusst Details fotografieren.
Bei unserem Shooting waren das unter anderem Aufnahmen des Rückens, des Kleides und engere Portraits.
Der große Vorteil besteht darin, diese Bilder aus einer Position aufnehmen zu können, aus der man nicht zwangsläufig näher an das Model herangehen möchte oder kann.
Gerade bei Wasser, unebenem Gelände oder bewegten Motiven ist das nicht zu unterschätzen.
Die zusätzlichen 25 Millimeter gegenüber einem klassischen 28–75mm haben sich deshalb wesentlich stärker bemerkbar gemacht, als wir ursprünglich erwartet hätten.
Klein und kompakt: Genau hier liegt die große Stärke
Ein Brennweitenbereich allein macht noch kein gutes Objektiv. Entscheidend ist auch, wie viel Glas wir dafür durch die Gegend tragen müssen.
Und genau hier wird das Tamron 35–100mm besonders interessant.
Das Objektiv ist überraschend kompakt und bildet zusammen mit einer Sony Alpha ein angenehm ausgewogenes Setup. Gerade bei langen Shootings macht es einen erheblichen Unterschied, ob ein großes und schweres Zoom permanent an der Kamera hängt oder ein kleineres Objektiv zum Einsatz kommt.
Beim Zoomen fährt das Objektiv nur vergleichsweise wenig aus. Das gesamte Setup bleibt dadurch kompakt und angenehm zu handhaben.
Auch bei Reisen ist das ein entscheidender Faktor.
Denn ein Objektiv muss nicht nur optisch überzeugen. Es muss auch klein genug sein, dass man tatsächlich Lust hat, es mitzunehmen.
Tamron 35–100mm oder 35–150mm?
Das Tamron 35–150mm ist für uns weiterhin eines der spannendsten Allround-Zooms für People-Fotografie.
Es bietet mehr Brennweite, mehr Lichtstärke am kurzen Ende und einen außergewöhnlich flexiblen Bereich. Von szenischen Portraits bis zu deutlichem Tele ist nahezu alles mit einem einzigen Objektiv möglich.
Dafür bezahlt man allerdings nicht nur finanziell.
Man bezahlt vor allem mit Größe und Gewicht.
Stellt man beide Objektive nebeneinander, wird der Unterschied sofort deutlich. Für die zusätzlichen 50 Millimeter Brennweite und die höhere Lichtstärke muss erheblich mehr Glas transportiert werden.
Damit erfüllen die beiden Objektive für uns unterschiedliche Aufgaben.
Das 35–150mm ist die eierlegende Wollmilchsau
Wenn wir möglichst wenig anderes mitnehmen möchten und ein einziges Objektiv möglichst viele Situationen abdecken soll, bleibt das 35–150mm extrem attraktiv.
Man schraubt es auf die Kamera und kann damit einen sehr großen Teil eines Shootings bestreiten.
Das 35–100mm verfolgt eine andere Idee
Das 35–100mm ist für uns nicht unbedingt das Objektiv, das alle anderen ersetzen soll.
Und genau deshalb finden wir es so spannend.
Es ist klein genug, um zusätzlich mitzukommen.
Zoom oder Festbrennweite? Warum wir uns gar nicht entscheiden wollen
In der Fotografie wird aus der Frage „Zoom oder Festbrennweite?“ gerne eine Grundsatzdiskussion gemacht.
Für uns ergibt dieses Entweder-oder wenig Sinn.
Festbrennweiten haben weiterhin einen ganz besonderen Reiz. Ein lichtstarkes 35mm, 50mm oder 85mm bietet einen Look, den ein F2.8-Zoom nicht vollständig ersetzen kann. Gerade wenn maximale Freistellung oder ein ganz bestimmter Bildcharakter gefragt sind, greifen wir weiterhin sehr gerne zu Festbrennweiten.
Es gibt aber Situationen, in denen eine Festbrennweite schlicht im Weg steht.
Wenn die Sonne innerhalb weniger Minuten aufgeht, das Model auf rutschigem Untergrund steht, Wasser und Wellen ins Spiel kommen und wir innerhalb kürzester Zeit Ganzkörperaufnahmen, Portraits und Details benötigen, wollen wir nicht ständig Objektive wechseln oder hektisch über Steine laufen.
Genau dann braucht man Flexibilität.
Und deshalb muss ein Zoom für uns die Festbrennweiten gar nicht ersetzen.
Es muss sie ergänzen.
Ein Objektiv für Momente, die man nicht planen kann
Vielleicht ist genau das eine der wichtigsten Erfahrungen aus den Shootings auf Fuerteventura.
Wir können Licht planen, Locations auswählen, Outfits vorbereiten und eine Bildidee im Kopf haben. Trotzdem entstehen einige der besten Fotos in Situationen, die sich vorher nicht planen lassen.
Eine Wolke zieht vor die Sonne und plötzlich wird hartes Licht für wenige Augenblicke wunderbar diffus. Wind bewegt die Haare genau richtig. Eine Welle kommt im perfekten Moment. Das Model verändert spontan seine Haltung.
Dann muss man reagieren können.
Manchmal bedeutet das sogar, die ursprüngliche Bildidee komplett über Bord zu werfen.
Ein flexibles Zoom hilft genau in diesen Momenten. Statt darüber nachzudenken, welche Festbrennweite gerade auf der Kamera sitzt, kann man sich auf Licht, Ausdruck und Komposition konzentrieren.
35 mm für die Szene.
100 mm für das Portrait.
Und alles dazwischen für genau den Bildausschnitt, den der Moment gerade verlangt.
Fazit: Das Tamron 35–100mm F2.8 gehört für uns zusätzlich zu den Festbrennweiten in den Rucksack
Unsere Meinung zum 35–100mm hat sich während der praktischen Arbeit ziemlich deutlich verändert.
Was auf dem Papier zunächst wie ein etwas merkwürdig verschobenes Standardzoom wirkte, hat sich als ausgesprochen sinnvoller Brennweitenbereich für People- und Portraitfotografie herausgestellt.
35 mm ermöglichen szenische Aufnahmen mit viel Umgebung. 100 mm liefern einen klaren Tele-Look für Portraits und Details. Dazwischen können wir innerhalb von Sekunden auf das reagieren, was vor der Kamera passiert.
Dazu kommen die kompakte Bauform, das angenehme Handling, die durchgängige Blende F2.8 und eine Autofokus-Performance, die auch bei anspruchsvollen Gegenlichtsituationen überzeugt hat.
Aber der für uns vielleicht wichtigste Punkt ist ein anderer:
Wir würden das Tamron 35–100mm nicht kaufen, um unsere Festbrennweiten zu ersetzen.
Wir würden es kaufen, um es zusätzlich zu ihnen in den Rucksack zu packen.
Wenn wir mit einem 35mm, 50mm oder 85mm unterwegs sind, möchten wir auf den Look und die Lichtstärke dieser Objektive nicht verzichten. Gleichzeitig gibt es immer wieder Situationen, in denen wir plötzlich flexibler sein müssen.
Genau dann ist das 35–100mm perfekt.
Es ist klein und kompakt genug, dass es als zusätzliches Objektiv nicht zur Belastung wird. Man kann weiterhin überwiegend mit Festbrennweiten fotografieren – und sobald sich Licht, Location oder Situation verändern, liegt ein flexibles 35–100mm griffbereit im Rucksack.
Und genau darin sehen wir auch den entscheidenden Unterschied zum Tamron 35–150mm.
Das 35–150mm ist fantastisch, wenn wir ein Objektiv mitnehmen und damit möglichst alles abdecken wollen. Dafür müssen wir aber auch bereit sein, Größe und Gewicht dieses Allrounders den ganzen Tag zu tragen.
Das 35–100mm verfolgt für uns die genau entgegengesetzte Philosophie:
Festbrennweiten bleiben das Hauptsetup. Das kleine Zoom kommt einfach zusätzlich mit.
Und wenn plötzlich nur wenige Minuten perfektes Licht bleiben, wir nicht ständig die Position wechseln können oder schnell zwischen einer weiten Szene und einem engen Portrait wechseln müssen, holen wir es aus dem Rucksack und haben genau die Flexibilität, die uns in diesem Moment gefehlt hätte.
Kein riesiges 35–150mm mitschleppen. Keine Entscheidung gegen die geliebten Festbrennweiten.
Einfach ein kleines, kompaktes Zoom als Backup und Ergänzung.
Und genau deshalb ist das Tamron 35–100mm F2.8 für uns am Ende deutlich interessanter geworden, als wir beim ersten Blick auf die Brennweite erwartet hätten.





























