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SONY ALPHA 7S… WENN TECHNIK DIE FOTOGRAFIE VERÄNDERN KANN

Dieser Beitrag ist zwar nach einer konkreten Kamera betitelt, geht aber im Inhalt um die Denkweise welche dahinter steckt. Wie sicherlich jedem Blogleser aufgefallen ist, hinken wir mit unseren Kamera-Vorstellungen und Tests immer etwas den anderen Blogs und Feeds hinterher. Das hat den Grund, dass wir nicht nur einfach “hier ist etwas Neues” schreiben wollen, sondern dass wir wissen müssen, über was wir da überhaupt schreiben. Eine Kamera ist wie ein Auto, man kann zwar im ersten Moment sagen ob es cool ausschaut oder ob es fährt, aber man muss schon viele Runden auf der Rennstrecke verbracht haben, um wirklich die Grenzen und die Fähigkeiten einer Karre zu kennen. Genauso ist es eben auch mit Kameras. Im Falle der Sony 7s, wir hatten die Tage ja schon über die Kamera generell geschrieben, tat sich eine Besonderheit auf mit der wir nie gerechnet hätten. Dafür mussten wir aber unzählige Fotos machen und nur mal kurz einmal in die Hand nehmen, ein kleines Minishooting und dann groß über die Kamera erzählen, das wäre lächerlich. Genau daher kommt auch die dubios-großspurige Aussage über “DIE FOTOGRAFIE” im Titel und wir können dahinter stehen, dass es sich wirklich so verhält.

Natürlich verändert sich “DIE FOTOGRAFIE” nicht einfach so… Das Rad wurde eben schon erfunden und komplett neu erfinden kann man es eben auch nicht. ABER, in jeder Entwicklung gibt es Sprünge. Evolution kann schleichend sein oder eben sprunghaft und bei der Sony Alpha 7s haben wir für uns so einen Sprung festgestellt. Da sich Sensoren über die Zeit immer weiter verbessern werden, wird die in diesem Beitrag beschriebene Art von Fotografie immer weiter zunehmen.

Was genau ist aber denn jetzt der Stein des Anstoßes und der Ursprung der Veränderung? Die Sony Kamera zeichnet sich durch besondere Aspekte aus. Im Grunde genommen könnte man es aber auch extrem reduzieren und die 7s als “Vollformatkamera mit wenig Megapixel dafür aber extrem guten ISO-Werten” bezeichnen. Die ISO-Werte sind dabei sooooooo exorbitant gut, dass man beim Lesen der Datenblätter schon erblassen mag. Jeder muss weiterhin entscheiden wie viele MP er für seine Zwecke und seine Ansprüche braucht und haben möchte, ich bin weiterhin der Meinung dass 12 MP im Endformat völlig genial sind, 18-20 MP für etwas Schnitt und Drumherumfleisch wären perfekt. ISO finde ich jedoch jederzeit wichtiger als Auflösung. War bringen 50 Megapixel wenn ich a) nur Rauschen sehe oder b) gar kein Foto machen kann weil es zu wenig Licht gibt.

Anfänglich hatten wir uns noch gefragt, wozu man solche ISO-Werte denn überhaupt brauchen könnte. Aktuelle Kameras liefern doch vorzügliche Ergebnisse bis ISO3200 oder gar ISO6400, warum braucht man denn dann überhaupt noch mehr? Doch im Laufe unzähliger Fotoshootings haben wir uns vom Gegenteil nicht nur überzeugen lassen, sondern sind förmlich süchtig nach LOW LIGHT geworden.

Unsere ersten Fotoshootings mit der Sony 7s hatten wir gezielt in die tiefe dunkle Nacht gelegt. Schade dass gerade so kalt ist und kaum jemand ohne Erfrierungen in der Nacht draußen aushält, aber das ändert sich ja wieder bald.  Nichts desto trotz hatten wir am Anfang keinen anderen Einfall als die Kamera in der Nacht zu nutzen. Uns ging es im Endeffekt um die ISO-Werte, das Rauschen und das Fokussieren in wirklicher Finsternis. Herausgekommen sind einfach abgefahrene Fotos ohne die Verwendung von Blitzlicht oder sonstigen Lichtquellen.

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An dieser Stelle muss man dazu sagen, dass LOW LIGHT nicht gleich LOW LIGHT sein muss. Es gibt viele Stellen in der Nacht, die durch von Menschenhand aufgestellte Strahler erhellt werden. Teilweise gibt es Stellen in der Nacht, die so hell sind, dass man auch mit jeder normalen Kamera dort problemlos fotografieren könnte.

Ich kann an dieser Stelle aber garantieren, dass wir genau solche Stellen vermieden haben. Alle Bilder oben wurden an Plätzen aufgenommen, an denen wir selbst nicht mehr wirklich sehen konnten. Jeder vor Ort ist mehrfach gestolpert weil unsere eigenen Augen nicht mehr genug Licht auf dem Boden erkennen konnten. Die Lichtquellen auf den Fotos oben sind teilweise ganz normale 60W Glühbirnen, wirken aber auf dem fertigen Foto wie 1000W Strahler :-)…

Aufgenommen wurden diese Fotos bei ISO51200 bis 204800 jeweils bei einer Belichtungszeit von um die 1/80 oder 1/100 frei aus der Hand mit einem 55mm Objektiv bei f1.8.

Besonders interessant, bei diesen Shootings in der Nacht, war die Erfahrung wie überlegen die Kamera anderen Kameras aktuell ist. Wir hatten nämlich die vorzügliche Idee unsere Mark III mit 85mm 1.2 Objektiv als eine Art Konkurrenz und Vergleichskamera zu nutzen und mussten beim ersten Foto schon feststellen, dass weder der Fokus bei f1.2 in der Nacht in der Lage war zu treffen noch, dass die Ergebnisse ansatzweise vom Rauschen erträglich waren. Wir haben 2-3 Minuten probiert und haben die Canon dann wieder eingepackt. In den nachfolgenden Shootings hatten wir dann die Canon gar nicht mehr dabei!

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Anhand der Fotos oben kann man schon erkennen, was sich in der Fotografie aktuell tut. Bisher war Fotografie beschränkt. Entweder auf Tageslicht von der Sonne oder eben zusätzliches Licht durch Blitze oder Leuchten. Es gab eine Grenze an Helligkeit, an der unser Auge zwar noch in der Lage ist zu sehen, aber die Kamera von uns eben eingepackt wurde.

Mit der Sony 7s verschiebt sich diese Grenze endlich über das hinaus, was das Auge in der Lage ist zu sehen. Bei einer gezielt langen “Hand-Belichtungszeit” um die 1/80s bei f1.8 erlauben die ISO-Werte der Sony mehr auf das Bild zu nehmen als das eigene Auge in der Lage ist zu erkennen. Ok, vielleicht sind wir bei KG alle nachtblind, aber die Sony sieht mehr als wir!

Aufnahmen wie oben sind plötzlich ohne Hilfslicht möglich. Keine großen Strahler oder andere Aufbauten, es kann plötzlich in mit den kleinsten Lichtquellen fotografiert werden. Und genau das ist der erste Quantensprung in der Fotografie. Die Nacht wird vollumfänglich für Fotografen nutzbar aber nicht nur die Nacht sondern auch Kerzenlicht und und und.

Angefixt von den ersten Fotos haben wir einfach unseren Mut zusammengenommen und haben ein weiteres Shooting mit der Sony gemacht. Allerdings wurde dabei nur Dauerlicht in Form einer Nachttischlampe genutzt. Sieht zwar etwas komisch aus eine Nachttischlampe hochfrontal über die Kamera zu halten, aber die Ergebnisse sind einfach wow…

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Hinter diesen Fotos steckt ein wahrer Quantensprung. Nämlich die Erkenntnis, dass plötzlich Lichtquellen valide für Fotografen werden, die bisher keine Option waren. Leuchten die bisher zu schwach waren, werden plötzlich verwendbar. Während man vor 20 Jahren noch 3000Ws als Blitzlicht nutzen musste um die ISO50 bei f16 zu füllen, kann man jetzt ein ähnliches Bild mit 100W Glühbirne machen… Ok, das ist arg kranker Vergleich, aber ich möchte an dieser Stelle lieber etwas über- als untertreiben.

Neuerdings werden kleine und “schwache” Lichtquellen nutzbar. 🙂 Und mit der Sony 7s kann man ein kleines LED Licht nicht nur als direktes HeadLight sondern auch indirekt über eine Wand oder in einem Schirm nutzen.

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Ich werde noch echt zum Dauerleuchter-Anti-Blitzer. 🙂 Alle nachfolgenden Fotos wurden mit Dauerlicht und ohne Blitzlicht gemacht. Allesamt mit der Sony 7s und dabei finden sich Ganzkörperaufnahmen so wie Portraits. Der Profi-Ausleuchter aus Köln wird das nicht erstaunlich finden, aber wir Fotografen kennen auch die gängigen Leuchten-Preise. Im Falle der nachfolgenden Fotos haben wir günstige LED-Lampen verwendet bzw. meistens sogar das Einstelllicht der Blitzköpfe selbst!

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LED Leuchten werden gemeinsam mit dem ISO-Rausch moderner Kameras immer nutzbarer für die Fotografie. Früher musste man das Model Schmelzen oder Totblenden, heute braucht man das ganze Licht nicht mehr.

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Der Look der Fotos ist anders, die Bildwirkung viel weniger aggressiv als beim Blitzlicht. Viel berauschender sind aber die Möglichkeiten in dieser Veränderung. Denn dahinter steckt, dass wir weniger teure Zusatzausrüstung brauchen. Wir können mit weniger Licht arbeiten und können länger und öfters Fotos machen. Wo man sich heute vielleicht noch fragt, ob das Licht reicht, da ist das Foto plötzlich ohne Probleme machbar.

Szenen und Fotos können in der Zukunft wieder realistischer werden, weil weniger zusätzliches Kunstlicht benötigt wird. Fotografen müssen weniger Aufwand betreiben und können trotzdem solide Ergebnisse abgeben. Aktuell frage ich mich immer doppelt und dreifach was ich genau mitnehmen muss für das Shooting mit der Sony 7s. Meistens endet es dann mit einem oder zwei einfachen LED-Panels in der Tasche. Es ist so erfrischend und anders.

Unsere Sichtweise ist dabei sogar noch relativ eindimensional. Wir fotografieren Menschen! Die Kamera verändert sicherlich andere Bereiche noch mehr. In letzter Zeit sehe ich immer mehr Aufnahmen der Sterne, der Milchstraße. Im Endeffekt ist diese Entwicklung wie der HDR-Hype. Es gibt Dinge, die kann man anders eben nicht fotografieren und genau darin liegt der Reiz. Auch in der Konzert oder Partyfotografie wird die Kamera neue Bilder erzeugen. Bilder wie wir sie noch nicht kennen in der Fotografie.

Wir sind gespannt wie ihr das seht. Immerhin werden die zukünftigen Sensoren sicherlich auch immer besser und besser werden. ISO wird nicht mehr das einschränkende Element von heute bleiben, sondern Grenzen öffnen.

Liebe Grüße

Martin & Marc

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