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ISO MONSTER Sony Alpha 7s

In den letzten Monaten gab es viele neue Produkte. Wir haben viele Dinge auf dem Blog vorgestellt. In der Fotografie gab es massenhaft Neuerungen, aber die meisten waren eigentlich nur Sequels. Das sind Fortführungen einer bereits vorhandenen Version. Kamera XY in Mark II oder III oder IV. Nach 700 kam 750 und und und. Blitze wurden kleiner und besser. Die Akkus halten mehr Blitze aus und die Softbox ist jetzt besser zum Aufbau oder Abbau geeignet. Klar, alles wird besser, das ist der Geist der Zeit und eine digitale Evolution. Evolution ist aber dann besonders wenn es Evolutionssprünge gibt. Die gab es in der letzten Zeit aber scheinbar nicht wirklich.

Doch, es gab diesen Sprung erst kürzlich und ich schätze, die meisten haben davon nicht wirklich viel mitbekommen. Mitbekommen vielleicht schon aber den wenigsten ist dieser Sprung wahrscheinlich aufgefallen. Ich rede von der Sony Alpha 7s. Auf den ersten Blick wirkt die Kamera für Fotografen uninteressant. 12 Megapixel und das in Zeiten, in denen Canon gerade die 50MP geknackt hat. Wer keine 36 Megapixel hat, der braucht erst gar nicht anfangen zu fotografieren. Canon verspottet Sony und Nikon sogar neuerdings, weil diese weniger Megapixel in ihren Kameras haben. Naja, das ist echt kindisch! Kann ja nix werden! 🙂 Verbesserte ISO-Werte… na schön und gut… aber so krass kann es ja nicht sein. Außerdem, was soll man mit ISO6400 wenn man Blitzlicht hat?

Aber warum soll die 7s jetzt ein Evolutionssprung sein? Vermutet hatte ich das selbst nicht und davon geträumt hätte ich nie. Jedenfalls bis ich damit fotografiert habe und plötzlich nicht mehr damit aufhören konnte.

Achtung, ich möchte damit nicht ankündigen, dass ich sofort unsere Canon und Olympus-Kamera wegwerfen werden. Systemwechsel ist ein abscheuliches Wort denn es gibt verschiedene Vor- und Nachteile von Kameras und Systemen und ich wäre ein denkbar schlechter Knipser wenn ich eine komplette Ausrüstung nur wegen einer besonderen Kamera wegwerfen würde. Ich möchte mit diesem Beitrag auch nicht sagen, dass man eine bestimmte Kamera braucht um tolle Fotos zu machen. Das wäre noch bescheuerter als ein stupider, undurchdachter Systemwechsel. In diesem Beitrag und mit den nachfolgenden Posts möchte ich vielmehr Augen öffnen. In den nachfolgenden Tagen wird klar werden, warum ich in so hohen Tönen von der Kamera spreche. Fairerweise sei aber an dieser Stelle auch gesagt, dass das Sony System immer noch massig Nachteile besitzt und ich eher vom Sensor als vom gesamten “System” spreche. Der Sensor ist zwar schlichtweg unschlagbar aber von Objektiv-Auswahl kann man kaum sprechen. Weitere Makel sind der Akku und die AF-Geschwindikeit. Aber solange unsere Modelle nicht vor uns weg rennen, wir ne 50er Festbrennweite und ne Steckdose für das Ladegerät in der Nähe haben, solange ist die Welt für uns perfekt.

Beginnen möchte ich mit diesem Beitrag über meinen Weg zur Erkenntnis. 🙂 Wow, das klingt jetzt echt nach Messias und Co. :-). Sicherlich ist bekannt, dass ich regelmäßig Fremdsysteme ins Studio hole um fit zu werden für die Bedienungen und deren Funktionen. Gerade wegen der vielen Workshops und Coaching sehe ich es als meine Pflicht an meine Augen offen zu halten und auch wichtige Punkte zu verschiedenen Systemen zu kennen. Lange Zeit war die D800 mein Spaßbegleiter, dann kam die Fuji und jetzt sollte es eine Sony werden.

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Nachdem ich bereits die Sony Alpha 7 im letzten Jahr über 2-3 Monate im langfristigen Einsatz hatte, wollte ich eigentlich die Sony 7r. 36 Megapixel, ultrageiler Sensor mit MegaDynamik in einem kompakten Gehäuse und mit meinem geliebten digitalen Sucher (Ja, ich bevorzuge digitale Sucher der “Realität”, weil sie für mich als Digitalfotograf mehr “Realität” als die “Realität selbst” sind!). Die Sony 7r sollte der perfekte Ersatz bzw. sogar Upgrade zur D800 werden. Mir kamen nur nebenher irgendwie die Details zur Sony Alpha 7s unter die Augen und eigentlich wirkte es auf den ersten Blick eher abschreckend. Auch ich lies mich im ersten Moment von den 12 Megapixel komplett VERblenden.

Aber dann dachte ich nochmals in Ruhe nach, war scheinbar einen Moment mutig und habe mich gedanklich mit der 7s als Alternative angefreundet. Immerhin ist der Sinn dieser “Zusatzkamera” ein Versuch und ein Ausprobieren. Bloß blöde dass die 7s über 2000 € kostet während die 7r schon für 1700 zu bekommen ist, die normale 7 sogar für um die 1400 €. Allerdings war auch besonders interessant für uns, dass die Kamera 4K filmt.
Zum Thema Video sollte man übrigens auch als Fotograf einige Dinge wissen. Die Sony 7s ist eigentlich für den Video-Bereich entwickelt worden und erst sekundär für Fotografen. Beim Filmen werden komischerweise oft geschlossene Blenden gebraucht um Elemente im Video nicht in der Unschärfe verschwinden zu lassen. So schön und toll Freistellung ist, aber was bringt es, wenn man den Gesprächspartner im Video nicht erkennen kann vor lauter Unschärfe. Es gibt Kamerafahrten bei denen eine Blende von 8 oder 11 notwendig sind und das trotz schlechtem Licht. Außerdem hat man im Videobereich kein “BLITZLICHT”. Dauerlicht ist viel schwächer als die Foto-Variante Blitzlicht und auch sehr viel teurer. Mal kurz eine Location ausleuchten, das geht nicht so einfach. ISO ist im Filmen ein absolutes Kaufargument und kann tausende von Euro sparen. Eine 2kW Leuchte kann man locker 1000-3000 € kosten und davon braucht man dann teilweise 4-5 Stück.

So schön und gut das klingt, aber was juckt den Fotografen was ein Videofilmer braucht? Warum sollte man viel Geld in eine Kamera stecken, die nur 12 Megapixel hat und damit fast die gleiche Auflösung im Foto- wie im Videomodus??? Klingt eigentlich erstmal sinnlos! Trotzdem hat mich das Interesse an der 7s nicht los gelassen und daher habe ich einen Test gezielten Test mit Leihkameras gemacht. Ich wollte der Sache nicht trauen und habe deswegen an einem Wochenende die Canon 5D Mark III, die 7r und die 7s gegeneinander antreten lassen. Bevor man so viel Geld ausgibt, kann man auch beim Händler um die Ecke eine Kamera mieten und mal gucken was wirklich geht. Das funktioniert in der Kölner Innenstadt natürlich leichter als auf dem brandenburger Weideland… 🙂

Ok, was kam an diesem Wochenende raus? Schnell wurde klar, dass die Sony 7r eine tolle Kamera ist, aber eben einfach nur dem allgemeinen Trend folgt. Mehr Megapixel, alles gut und besser als bisher… Aber eben “nur” eine tolle Kamera 🙂 Die Sony 7s hingegen war “anders” und das “anders” reizte mich einfach mehr. Trotzdem, egal wie ISO-stark, die 12 Megapixel schockten mich als Fotografen ständig in der hinteren Schublade meines Kleinhirns. Ist irgendwie wie Autofahren mit nem 60PS turbolosen Diesel wobei man da noch jedes mal beim Tanken wieder weiß, warum man so leidet :-). Tolle Fotos auf der Festplatte und dann nur in 12 Megapixel… geht das überhaupt?

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Irgendwie hatte ich vergessen, dass ich mit der Canon 5D Mark I und der D700 auch tolle Fotos machen konnte. In meinem Kleinhirn war scheinbar eine Sicherung defekt. Der eine Teil meines Hirns versuchte mir zu verzapfen, dass 12 Megapixel viel zu wenig wären. 20 oder 30 müssten es schon sein, sonst könne man ja gar nicht schneiden. Und erst das Drucken und die Ausgabe! 12 Megapixel kann man doch heute nicht mehr vorzeigen!

Und der andere Teil wollte mir klar machen, dass die ISO-Werte der 5DIII schon dertatig Bombe wären, dass ich sowieso nicht noch besseres Rauschverhalten brauchen würde.

Beide Teile hatten Unrecht! Haben wir denn vor 6 Jahren alle schlechte Fotos gemacht, nur weil es damals “gerade mal” 12 Megapixel gab? Haben wir mit einer Kamera vor 7-8 Jahren etwa nicht gut fotografieren können? Ich schaue mir heute noch Bücher von tollen Fotografen an und sehe darin Fotos aus den Anfängen der digitalen Fotografie und ich bewundere viele dieser Aufnahmen ohne an die Anzahl Megapixel zu denken.

Das mein Kopf unrecht hatte, das lernte ich allerdings nicht sofort sondern erst später. Erst kümmerte ich mich um das Offensichtliche wobei ich an diesem ersten Wochenende schon Anfänge einer “anderen Fotografie” entdecken konnte. Dazu aber in den nächsten Tagen mehr.
Am Samstag hatte ich mir auch direkt den Extremvergleich vorgenommen. 5DIII mit 85mm 1.2 gegen Sony 7s. Auf dem Foto oben sieht man auch wie geliebt und zerschrammt diese Kombo ist und man darf beim Blick auf das Foto auch niemals die preisliche Relation verlieren. Die 5D kommt mitsamt Objektiv knapp an die 5000€ ran. Schnäppchen würde ich das nicht nennen. Auf der anderen Seite waren die Sony 7s und die 7r.

Schlimm war im ersten Moment schon die Tatsache, dass ich für das ISO-Monster nur ein wirkliches Objektiv nutzen konnte. Das 55mm 1.8. Es wäre völlig absurd eine derartige Kamera mit einem f4 Objektiv zu verschandeln. Von Vorzügen kann man dann nämlich nicht mehr sprechen. “Hey, sieh her, meine Kamera kann ISO51200. Brauch ich ja auch, weil ich mit f4 fotografieren muss”. Klar dass sich da jeder Nikon- oder Canonfotograf mit seinem 85mm 1.4 ins Fäustchen lacht. Absolut verständlich! Aber hey, immerhin gibt es das 55mm 1.8er von Zeiss und das ist echt Bombe. Zwischenzeitlich haben sich neue Objektive von Sony weiter verzögert und so habe ich auf inzwischen auf Dritthersteller zurück gegriffen und mich über Amazon mit Samyang Objektiven eingedeckt. Dazu aber auch die Woche mehr.

Auf was kam es mir damals bei diesem Test-Wochenende an? Ich möchte die Punkte hier nochmals in Fragen formulieren. Ich denke viele andere Fotografen fragen sich nämlich die gleichen Dinge.

  1. Reichen mir wirklich mickrige 12 Megapixel?
  2. Ist die Dynamik irgendwie schlechter als bei der R-Variante und wie schaut es mir Farbe aus?
  3. Warum braucht man so gute ISO-Werte?
  4. Was taugen die Objektive, welche Optionen gibt es?

Beantworten wir also Punkt für Punkt die obigen Fragen und picken uns zu allererst die Sache mit den 12 Megapixel heraus. Zu wenig? Dann habe ich hier zum Download ein Beispiel der 12 Megapixel. Im Endeffekt kann ich hier viel schreiben aber besser ist doch immer, jeder macht sich ein eigenes Bild und schaut selbst eine wirkliche Datei an. Keine Testaufnahme von einer bescheuerten Wand oder Pinsel auf einem toten Tisch rumliegen. Ein wirkliches Portrait. Ich jedenfalls finde die Auflösung und den Detailgrad perfekt. Mehr Pixel bedeuten nämlich auch mehr Inhalt und manchmal macht mehr Inhalt auch mehr Probleme. Wer Haut-Retusche-Fetischist ist, der darf gerne mal Portraits mit 60 Megapixel machen. Die Hautretusche danach für jedes Foto sollte man aber beim Fotografieren mit einrechnen. Die 12 Megapixel finde ich persönlich so ziemlich perfekt für 90% aller Fälle der Ausgabe. Würde es nach mir gehen, dann wären 16-18 Megapixel das Ideale um noch einigermaßen Beschneiden zu können. Man muss bei 12 Megapixel eben immer im Hinterkopf behalten, dass man nicht mit Beschnitt um sich werfen kann und sich beim Fotografieren bereits auf den richtigen Aus- und Zuschnitt konzentrieren sollte. Aber sollten wir das nicht sowieso immer?

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Eine andere Sache ist mir allerdings im ersten Moment bereits aufgefallen. Gerade im direkten Vergleich der 7s zur 7r. Ich legte die Speicherkarte in die 7r ein und das Ergebnis der Anzeige auf dem Display war ich bereits von der D800 gewohnt. 🙂 200 Bilder, dann wäre die Karte voll. Na so extrem ist es nicht aber gefühlt ist es doch sehr arg. Kaum macht man ein paar Bilder schon ist die Karte rand voll. Oder, das wäre die andere Option, man packt förmlich “kleine Festplatten” in die Kamera und kommt mit 64 oder 128GB aus einem wilden Shooting raus.

Bei der 7s war ich platt. 16GB hab ich eingelegt, RAW+JPG FINE abgespeichert und da stand die Zahl 827 🙂 827 Bilder RAW und JPG auf 16GB. Wie geil!!! Festplatten-Sammelbestellungen und Amazon-Festplatten-Abo-Käufe wären damit passé. So blöd das jetzt klingen mag weil eine Festplatte auch nicht unzahlbar teuer geworden ist aber es macht im Endeffekt viel aus. Dateien müssen ja auch immer gesichert und gebackupt werden. Also doppelter Speicherplatz. Man muss Kopieren und Kopieren und Kopieren…

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Das wahre “Wunder” habe ich dann allerdings nach dem Wochenende beim Einlesen der Dateien in Lightroom erlebt. Nicht nur dass das Kopieren kaum für nen Kaffee gereicht hat, die Dateien wurden so was von schnell eingelesen und die 1:1 Vorschauen waren fertig, bevor ich die Speicherkarte wieder in die Kamera legen konnte. Der gesamte Workflow ist schneller als bei jeder anderen Kamera und schuld ist nur die 12-Megapixel-Auflösung. Wer dann die 7r Dateien in Lightroom füttert, der sollte das nicht direkt nach den 7s Dateien machen. Dann stirbt man nämlich beim Warten gefühlt 1000 Tode. 🙂

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Gehen wir weiter in der Beantwortung der Fragen. Als nächstes Stand ja auf dem Punkt die Frage mit Dynamik und Farbe. Meine Tests haben ergeben, dass die 7r doch bei Fotos die 7s leicht schlägt. Vielleicht hängt auch das an der Auflösung aber ich würde sagen, dass die 7r leicht mehr Dynamik mit sich bringt. Allerdings, und das sollte die Kernaussage sein, schlägt die 7s die 5D Mark III deutlich in Punkto Dynamik. Kommt bei Blitzbildern jetzt nicht so arg hervor als vielmehr bei krasseren Licht-Situationen.

Zu den Objektiven kann ich leider weniger sagen als mir lieb wäre. Ich hatte an dem Wochenende ausschließlich das 55mm 1.8 und das 24-70 f4. Das f4 war niemals an der 7s und wird es bei mir auch nie sein. Gründe dafür hatte ich ja oben beschrieben. Das 55mm von Zeiss ist wirklich ne Granate. Was mir nicht so gefällt ist, dass die Vergütung scheinbar so hoch ist, dass Flares echt nicht entstehen. Aber gut, wofür gibt es die Flares aus der Dose? 🙂

[Leaks Banner]

Wie schon in meinem Test zur Sony 7 geschrieben hat auch die 7r und die 7s eine fantastische JPG-Konvertierung verbaut bekommen. Die Hauttöne und die Farben gefallen mir unglaublich gut. Besser als bei jeder anderen Kamera. Nachfolgende im Vergleich mal eine ROH-Version eines Raws und daneben das JPG direkt aus der Kamera.

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Auch hier nochmals zwei Bilder direkt aus der Kamera gezielt mit einem starken Braunton der Haut. Photoshop, Fehlanzeige!

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Kommen wir nochmals kurz zurück zum ISO-Monster. Bereits am ersten Tag des Wochenendes hatte ich dann im Kopf entschlossen die 7s an ihr Limit zu bringen. Wie geht das? Klar, in der Nacht. Also, Model gepackt, Ausrüstung angerufen und losgedüst 🙂 Oder halt anders herum! Jedenfalls ging die Mark III auch mit raus und wir mussten ziemlich schnell feststellen, dass ohne LED-Hilfslicht, die 5D nicht mehr wirklich in der Lage war zu fokussieren oder überhaupt zu fotografieren. Ich hatte sowas nicht erwartet. Die 5D brauchte eine Taschenlampe um den Fokus zu finden während die 7s locker und leicht funktionierte. Dabei hatten wir sogar eine Blende von f2.0 an einem 35mm Objektiv. Da sollte der Schärfebereich nicht soooo kritisch sein. Aber ging nicht. Eigentlich wollte ich Vergleichsaufnahmen machen, ich konnte aber nicht wirklich mit der 5D arbeiten! Es ging einfach nicht. Ok, wir waren wirklich am dunkelsten Punkt des Hafens und der Himmel brannte  von den Reflektieren der Stadt Köln, eine Straßenlaterne in 20-30 Meter Abstand war die einzige Lichtquelle und ich hatte Probleme den Boden zu erkennen mit bloßen Augen… aber hey, die 7s funktionierte.

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Und da wären wir schon genau bei dem Punkt, den ich ganz oben als Evolutionssprung in meiner Fotografie bezeichnet hatte. Keine Sorge, wir kommen noch dazu aber vorerst möchte ich einfach mal ein Foto zeigen. Das Foto unten wurde aufgenommen bei ISO51200 bei f1.8 und einer Belichtungszeit von um die 1/100s direkt aus der freien Hand. Die Lichtquelle im Hintergrund am Masten ist ca. 200 Meter entfernt. Es ist mitten in der Nacht 🙂 Klar, da sieht man Rauschen aber mich fasziniert das Foto. Es handelt sich übrigens um eine Testaufnahme vor dem eigentlichen Shooting. Mehr möchte ich heute halt noch nicht zeigen aber ich finde das Foto trotzdem faszinierend. Die Unschärfe, die Bildwirkung, die Lichter und die Farben. Und da wären wir bei einem Punkt, den ich so von anderen Kameras absolut nicht kenne.

Der Evolutionssprung ist nicht die Technik, es sind die Möglichkeiten für Fotos die wir dadurch bekommen. Ähnlich wie bei der HDR Fotografie können wir Fotos aufnehmen, die früher schlichtweg nicht möglich waren. Wir können mehr fotografieren als wir sehen… Die 7s knackt mit einer offenblendigen Festbrennweite die Grenze der menschlichen Sichtbar in der Dunkelheit.

Die Kamera behält ihre Farben selbst in hohen ISO-Werten. Wir kennen alle das normale Phänomen bei grenzwertigen ISOs! Die Farben verschwinden, man kann grün nicht mehr von blau unterscheiden und die schlechten Lichtquellen mit ihren absurden Farbspektren geben ihren Rest dazu. Ich hatte bei ISO6400 oder 12800 immer nur noch eine farbige Einheitsmatsche. Was mich an dem Foto unten so fasziniert sind die relativ natürlichen und getrennten Farben. Sowas hat man normalerweise nur bei Langzeitbelichtungen bei Nacht mit reduzierten ISOs. Aber niemals bei 51200!!! Ich würde sagen unsere Canon 1DX bringt derlei Farben gerade noch bei 12800 raus. Bei 25600 würden solche Farbunterschiede wie der leicht bläuliche Container und die Unterschiede im gelblichen, grünlichen und rötlichen Gruß nicht mehr zu erkennen sein.

sony alpha 7s iso 51200 jpg raw arw

Klar, es rauscht, das erkennt man. Aber Rauschen ist kein Weltuntergang. Erstens gibt es ENTRAUSCHEN in Photoshop und Lightroom und zweitens habe ich lieber ein verrauschtes Bild als gar kein Bild. Denn wir sprechen nicht davon, dass weniger Rauschen immer schön wäre. Wir sprechen hier von einer Lichtsituation in der mein eigenes Auge weniger deutlich gesehen hat als das Foto oben aus der Hand aufgenommen.

Ein weiteres Phänomen habe ich allerdings auch entdeckt. Bisher habe ich davon noch nichts gelesen aber vielleicht ist es auch unwichtig. Ich will es trotzdem sagen. Die Kamera wurde nämlich von uns wirklich bis an die Limits gebracht und ISO409600 habe ich auch wirklich zum Fotografieren eingesetzt. Nicht nur für Test-Tisch-Pinsel-Farbchart-Aufnahmen. Dabei ist mir bei den Farbfotos ein deutlicher Farbsaum aufgefallen. Es scheint als dass die Empfindlichkeit der einzelnen Sensorpixel so hochgefahren wird, dass die Farbe von benachbarten Pixeln streut. Auf dem Foto unten kann man diesen Effekt gut erkennen. Ich würde sagen er tritt verstärkt ab ISO204800 auf 🙂

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Während ich da so über ISO40000 und ISO200000 schreibe fällt mir auf wie perfide das eigentlich gerade ist. Bisher habe ich meine Kamera auch gerne mal bis 12800 gebracht. Klar, Hochzeiten mit Kerzenlicht, aufsteigende Himmelslaternen auch gerne mal mit ISO25600… aber hey, wir schreiben hier gerade über ein völlig gut aussehendes Bild mit ISO51200 und einem störenden Effekt bei ISO4000000000000000000. Ich kann die Nullen kaum zählen die hier genutzt werden. Schon krank…

Schlussum, die 7s ist ein Nachtsichtgerät und eine tolle Kamera. Ich finde es aktuell mit eine der interessantesten Kamera auf dem gesamten Foto-Markt. Aber vielleicht auch nur, weil ich es liebe riskant zu fotografieren und Dinge auszuprobieren. Was genau ich damit meine, das werden wir die Woche in den nachfolgenden Beiträgen erfahren.

Dabei möchte ich versuchen so neutral wie möglich zu schreiben denn auch die anderen Hersteller werden hoffentlich mit ihren Sensoren nachziehen. Die neue 5Ds wurde zwar in den ISO-Werten auf 6400 reduziert, geht also in die andere Richtung, aber grundsätzlich werden die Sensoren mit der Zeit besser und besser und was heute mit der Sony 7s geht, das geht morgen hoffentlich mit allen Kameras. Ok, vielleicht in 1-2 Jahren dann mit wirklich ALLEN Kameras. 🙂 Wir sollten auf jeden Fall unsere Fotografie den Möglichkeiten anpassen. Darum geht es doch… Aber für mich steht eines Fest… mehr Megapixel machen keinen besseren Fotografen aus mir. Aber wenn ich plötzlich in Situationen fotografieren kann, in denen ich früher nur hingucken durfte, dann geht mir die Seele auf und ich bin glücklich. Wann sehen das auch die anderen Firmen außer Sony dass ISO, Farbe, Dynamik wichtiger ist als nur Megapixel?

So long, einen schönen Sonntag euch noch!

Euer Martin

17 Kommentare

Dein Kommentar
  1. Ich habe die 7s auch mal kurz zum “Spielen” gehabt… Cooles Teil, allerdings liegt -für mich- der Auslöser recht ungünstig.
    Da ist das neueste Model der 7er besser.
    Und dazu dann noch der im Gehäuse eingebaute Wackeldackel.
    Hoffentlich kommt sowas auch bald als 7sII oder so 🙂
    Wäre eine prima Ergänzung zum Speedmaster mit f0.95.

  2. Hallo Martin, es war mir eine Freude diesen Blogartikel von dir zu lesen, denn du sprichst mir so etwas von aus der Seele.
    Ähnliches hatte ich auch schon kristisiert, als Nikon die D800 heraus gebracht hatte. Ein Dynamikumfang von 14,4 Blendenstufen und Schatten die man aufziehen konnte, von denen man als Canon Nutzer nur träumen kann. Das alles ohne Banding. Die 5DMKIII ist ja immer noch ein Bandingmonster, was ich bei den meisten kirchlichen Hochzeiten, vor allem im Winter, wo das Licht noch weniger vorhanden ist, schmerzlich sehe. So 18-20 MP wäre auch meine Wunschauflösung, also genug um im Getümmel auf Sicherheit zu gehen, aber dafür mit extremen Iso Eigenschaften. Ich hoffe ja immer noch das die 5 DMKIV endlich meine Rundumglücklichtraumkamera wird.

  3. Lieber Martin !
    Das Beste ist in dem Beitrag noch ausgelassen worden!
    Die Kamera macht das alles noch lautlos.. und so fotografiere
    ich schon seit geraumer Zeit damit sowohl bei klassischen
    Konzerten als auch in der Kirche ohne dass mich die Musiker
    oder der Pfarrer rauswirft !!!! Kann ich von meiner D4 nicht sagen !
    Liebe Gruesse
    Peter

  4. Cooler Test – ich fotografiere noch immer mit meiner D700 und noch immer mit 12 Megapixel und noch immer mache ich tolle Bilder und noch immer will ich keine Neue haben!!!
    Der Pixelwahn in letzter Zeit geht mir sowas am A…. vorbei
    Btw Martin – der 12 MB Sensor der 7s in meiner alten Nikon und ich wär der glücklichste auf Erden (müsste eigentlich technisch funktionieren, sind doch die Sensoren von Sony verbaut) 😉

    Lg

  5. Ich weiß immer noch nicht so recht, für welche Zielgruppe diese Kamera gemacht ist. Für Eventfotografen ist der AF m.E. nach zu langsam für spontane Fotos und außerdem muss ich dann immer noch einen Packen Batterien mit mir rumtragen.
    Und Portraitfotos bei Dunkelheit mache ich nicht so oft 😉
    Ich bin also sehr gespannt, welchen Anwendungszweck Du uns nächste Woche präsentieren wirst.

  6. Wir sollten uns langsam trennen von dem Gedanken des universellen Alleskönner’s.
    Ein Schlosser nimmt auch nicht den Franzosen für eine 13. Mutter. Sondern den passenden Maulschlüssel.
    Wenn du im Dunkeln gerne rummunkelst ist das Deine Kamera.
    Jeder kann nach seinen Motiven langsam sein Werkzeug wählen. Es wurde Zeit das es zu dieser Entwicklung kommt.

  7. Kurze Frage: Ihr schreibt im Artikel
    “Auch hier nochmals zwei Bilder direkt aus der Kamera gezielt mit einem starken Braunton der Haut. Photoshop, Fehlanzeige!”
    wie erzielt man den “gezielt starken Bruanton” – ist der Ton einfach aus der Kamera so oder verwendet ihr dafür in der Kamera irgendwleche Presets oder Voreinstellungen?

    Danke!

  8. Hi zusammen,
    ich hab zufällig meine alte D100 ausgegraben. Hab ein uraltes Manuelles 50er aufgeschnallt und hatte sofort ein anderes Gefühl zu fotografieren. Ich hatte super Spass mit dem Ding und die Ergebnisse?! Naja ich habe ein Plüschschaf fotografiert D810 gegen die D100 die Ergebnisse haben mir bei beiden gefallen. Aber mit offenblende zu fotografieren ist halt doch was schönes.

    Was mich einwenig schockiert hat war das das Fotografieren langsamer wurde, aber es kann auch sein das mir die D100 nicht mehr so vertraut ist. Aber ich hatte das Gefühl zu Fotografieren.

    Die D100 wird jetzt vermutlich mal hin und wieder zu spass zwecken verwendet, aber mit der D810 kann sie nicht mithalten. Doch man kann auch nicht erwarten, dass die Entwicklung der letzten Jahre nichts gebracht hätte. Was aber schön war die Bilder sind am Ende die selben nur auf einem unterschiedlichen Niveau.

    Die 7s ist eine schöne Kamera habe sie bei einem Bekannten probiert und die Bilder waren super. Es ist doch gut das mal wieder bewegung in den Markt kommt.

    Grüsse
    Phil

  9. Hallo Martin,
    auf Grund dieses Beitrags habe ich mich bemüht für nein nächstes Konzertshooting eine 7s zu bekommen… Und… ich bekomme eine mit dem 55er. Bin echt auf die Ergebnisse gespannt.

    Gruß
    Stephan aus Freiburg

  10. Hey Martin,

    bei welchem Vermieter könnte man sich die Alpha 7s im Kölner Raum denn leihen?

    Danke vorab!
    lG René

  11. Wir benutzen die Sony Alpha7s sehr häufig bei Observationen in userer Detektei.
    Die low-light Eigenschaften sind einfach grandios. Die Kamera macht noch Aufnahmen, wenn das menschliche Auge nichts mehr sieht.

  12. Es gab mal eine Zeit, da galten 12 MP auch für Profis – Stichwort Nikon D 700 – als völlig ausreichend. Heute wird über 80 MP und mehr nachgedacht und überschlagen sich die Hersteller damit, neue Megapixel Monster auf den Weg zu bringen. Bitte nicht falsch verstehen: Ich finde es spannend, dass sich Canon bei den APS C Sensoren jetzt mal an die 32 MP heran gewagt hat … aber wie viele Auflösung brauchen wir wann wirklich????

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