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Fujifilm X-T10 Testbericht – Kleiner Alleskönner im Retro-Look

Kamera-Meinung ist mal wieder angesagt! Wie bei uns üblich wenn es um Kameras geht, eher subjektiv als objektives Testlabor und sehr praxisorientiert. Wir alle fotografieren mit der Kamera und ich schreibe hier meine daraus resultierende Meinung.

Wor einiger Zeit hatte ich bereits die Fuji X-T1 über mehrere Monate im Einsatz, jetzt hab ich mir dazu noch die neuere Fuji X-T10 geholt und gleich mal auf die Probe gestellt. Erstes Merkmal: Die X-T10 ist günstiger. Zweitens: Sie ist kleiner. Drittens: Sie ist extrem genialomat! Warum, schreib ich gleich und darum geht’s in diesem Beitrag! Im Grunde könnte man sagen, die X-T10 ist die kleine Schwester der X-T1 der identische Sensor in reduziertem Gewand.

Ich will nicht sagen ich hätte mich auf den ersten Blick verliebt, aber das Retro-Design der Fuji X-T10 sieht schon geil aus!!! Mal ganz ehrlich, bei wem von euch schlägt bei diesen Ecken und Kanten auch das Herz höher? Die gesamte Fuji-Reihe wirkt für mich wie ein liebevoll komponiertes Stück an alte analoge Zeiten! Und das mag ich! Aber Sexyness allein bringt auch nix, die Qualität der entstehenden Bilder muss schon stimmen. Was bringt einem eine gutaussehende Kamera, wenn sie nicht innerlich überzeugt? Schön gesagt, oder… 😉

Die inneren Qualitäten konnte ich bereits bei der Fuji X-T1 ausführlich testen, und jetzt genauso mit der X-T10. Der Sensor in beiden Kameras ist ja identisch, das Drumherum ist der Unterschied. Beim nachfolgenden Test habe ich mich auf die Punkte Handling, Technik, Alltagstauglichkeit, Einsatzgebiet, sowie das FUJI-ISOlose Fotografieren konzentriert.

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Ich brösel die Unterpunkte mal für euch auf. So gut wie jeder, der mit beiden Füßen über das Wort ISO-los gestolpert ist, fragt sich, was das denn bedeuten soll und wie das funktionieren kann. Darauf werde ich später im Beitrag genauer zu sprechen kommen. Denn ISO-los ist in einem Satz ein Dynamic-Range-Optimierungsprozess, der sich nicht an die eigentlichen ISO Werte hält, aber das eigentlich doch tut (ja, ich weiß ;-)) und im Endeffekt, ja, die Dynamik vergrößert und ein Schutz gegen Überbelichtung ist!

Das zu verstehen hat mich etwas Zeit gekostet; das zu erklären benötigt daher auch die richtigen und vor allem genügend Worte. Das Einsatzgebiet der Fuji X-T10 ist ein sehr wichtiger Punkt in diesem Blogbeitrag, denn hier besteht ein großer Unterschied zur Fuji X-T1 und das hat natürlich einige Vor- aber auch Nachteile.

Handling der Fuji X-T10

Die Fuji X-T10 ist grundsätzlich die kleinere Variante einer Fuji X-T1. Sie hat den gleichen romantisch-analogen Look, der mit viel Liebe zum Detail das Design der Kamera abrundet. Da wäre zum Beispiel der Auslöser mit der Schraube für den Fernauslöser: Gänsehaut!!! Dennoch ist die Fuji X-T10 deutlich verspielter als das größere Modell. Es gibt weniger Einstellräder auf der Kamera und diese ist deshalb auch nicht komplett mechanisch zu bedienen. Die Belichtungszeit, den EV-Wert und einen Programmmodus kann man über die drei Räder auf der Kamera einstellen. Das ist deutlich weniger als bei der Fuji X-T1 und sorgt für eine klare Abgrenzung zu dieser. Das linke Einstellrad ist dabei erstmal verwirrend, wenn man nicht bereits die Oberseite der X-T1 im Kopf hat, da es nicht die sonst so gewohnten Belichtungsmodi wie Zeitautomatik oder Blendenautomatik zeigt. Dafür zeigt das Rad Programme wie den Panoramamodus, Bracketing oder Serienaufnahme. Auf den zweiten Blick ist es aber doch logisch, denn die Blendenautomatik entsteht, sobald man die Belichtungszeit am Rad festgelegt hat, und am Objektiv die Blende auf Auto stellt. Andersrum erhält man die Zeitautomatik. Wer die Fuji nicht gewohnt ist, muss sich an dieses anders-logische Denken erstmal gewöhnen!!! Nach einiger Zeit weiß man aber, an welchem Rad man in welche Richtung drehen muss, um die passenden Einstellungen zu bekommen. Es ist einfach eine andere Art der Handbewegung, die das Fotografieren aber nicht wirklich verlangsamt. Wie bei allem gilt: Übung macht den Meister!

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Schwieriger fand ich dafür die Belegung der frei einstellbaren Tasten, denn die Fuji X-T10 hat zusätzlich zu den üblichen Tasten noch Druckpunkte in den kleineren Rädern vorne und hinten. Auch diesen können verschiedene Funktionen zugewiesen werden. Nachdem ich längere Zeit herumprobiert habe, hat sich folgendes für mich als gute Lösung erwiesen (was die Geschwindigkeit meines Workflows an der Kamera deutlich gesteigert hat!!) – Fuji-Nutzer gut aufgepasst, das könnte auch was für euch sein!:

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Am ersten Funktionsrad auf der Vorderseite der Kamera habe ich beim Drücken die Einstellung des ISO-Wertes. Am hinteren Rad kann ich auf Knopfdruck den Weissabgleich einstellen. Es bleiben noch die vier Tasten am Steuerkreuz, und die Fn Taste unten rechts, die aber schon auf Wifi voreingestellt war, und ich so gelassen habe. Am Steuerkreuz habe ich oben meine Profile, wo die Kamera mich Einstellungen wie ISO, Weissabgleich, Film-Look und Kontrastwerte abspeichern lässt, und so kann ich die Kamera sehr schnell auf verschiedene Situationen einstellen. Der Nachteil dabei ist, dass ich mir merken muss, welche Einstellungen hinter welchem Modus sind. Denn alle Profile sind einfach durchnummeriert. Ich habe hier eine Sortierung von Film-Looks, und innerhalb der Looks nach ISO-Werten von klein nach groß. Die linke Taste ändert genau diesen Film-Look, die rechte Taste und die untere Taste sind bei mir nicht belegt, aber das hat auch einen guten Grund. Wie ich schon am Anfang gesagt habe ist die Kamera klein. Ich würde sie aber auch nicht als winzig bezeichnen, da gibt es schon deutlich kleinere Kameras. Trotzdem hat die Fuji X-T10 keinen Griff. Es gibt eine gummierte höhere Stelle, um die man rumgreifen können sollte. Bei größeren Händen wirkt das jedoch erstmal sehr unsicher und mein Daumen ist immer wieder auf die rechte oder auch untere Taste des Steuerkreuzes gekommen – also gilt hier für mich: Finger weg von der rechten und der unteren Taste!

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Hätte ich die Fuji nur ein paar Tage oder wenige Wochen getestet, hätte ich das definitiv als Manko in Stein gehämmert. Aber nach so langer Zeit, bei der die X-T10 immer dabei war, kann ich das zum Großteil entkräften! Die Kamera ist mir nie runtergefallen oder durch die Finger gerutscht und nach einiger Zeit gewöhnt man sich wirklich gut dran!! Es gibt zwar Abhilfe in Form eines Batteriegriffs, aber das ist eigentlich nicht notwendig! Das Handling mit der Fuji X-T10 ist also anfangs (für mich! Achtung subjektiv!!!) ungewohnt, aber nicht unangenehm. Und nach einiger Zeit mit der Kamera beherrscht man die Handgriffe und Tasten blind.

Technik

Wie angekündigt lassen wir die Technik bei dieser Kamera mal Technik sein. Der eingebaute Sensor ist derselbe der größeren Fuji. Genaueres zu dem habe ich im Artikel zur X-T1 geschrieben. Trotzdem gibt es ein paar Dinge die relevant sind und relevant sein müssen!

Die Schärfe ist in der Fotografie ein ungemein wichtiger Bestandteil geworden, obwohl “geworden” vielleicht etwas irreführend ist. Natürlich war es schon immer wichtig, scharfe Bilder zu produzieren, doch irgendwie habe ich das Gefühl, dass viele Fotografen aktuell immer mehr ein Bild nach dieser Schärfe beurteilen und diese immer und immer weiter pushen wollen. Das Motiv im Fokus zu haben reicht nicht mehr, es muss mehr sein als das. Aber meine Gedanken dazu mal beiseite gelegt, kann ich nur von der Schärfe der Fuji X-T10 schwärmen. Der Sensor zeichnet knackscharfe Bilder auf und das auch nicht bei den mittlerweilen üblichen 50 Megapixeln, sondern ihr reichen dafür 16 Megapixel!!! Hier mal ein Beispiel einer 100% Ansicht, bei einer extrem schlechten Lichtsituation für die Kamera. Blaues LED Licht, Low-Light, und trotzdem scharf! Das muss man erstmal hinbekommen! Da sieht man auch mal wieder, wie weit man mit “nur” 16 Megapixel kommt und wie unwichtig diese Zahl doch in Wahrheit ist!!!

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Der Akku ist bei spiegellosen Systemen meist eine große Schwachstelle. Die zwei Liveview-Monitore saugen Power ohne Unterbrechung. Bei der Fuji ist das nicht unbedingt anders, da sie über einen elektronischen Sucher, zusätzlich zum Display, verfügt. Allerdings finde ich, dass die Kamera, wie schon die große X-T1, im direkten Vergleich mit vielen anderen spiegellosen Systemen sparsamer mit dem Akkus umgeht und länger hält. Einen Ersatzakku sollte man trotzdem nicht weglassen, gerade wenn man gerne die Wifi Funktion benutzt um die Bilder direkt an das Smartphone zu übertragen!

Der Sensor hat aber auch seine Schwächen wie zB. den ISO-Bereich mitgenommen. Allerdings muss man sich die Frage stellen, ob in Zeiten von ISO 50.000 man noch irgendwas als Schwäche bezeichnen kann. Ja, die X-T10 ist kein ISO Monster. Ja, das bedeutet völlige Dunkelheit ist dunkel. Nein, das heißt nicht man kann damit keine Fotos in der Nacht oder bei Lowlight machen (siehe oben!!!). Der Sensor kommt gut mit hohen ISO-Zahlen klar, nichts überpositives, aber keinesfalls negativ!!

Der letzte Technik-Punkt betrifft das Gewicht der Kamera und ich habs sogar mal nachgeschlagen: Der Body wiegt 380 Gramm. Das sind heutzutage zwei bis drei Smartphones. Mit Objektiv wird es natürlich noch etwas mehr, aber es ist schon unglaublich, dass diese Kamera weniger als die Hälfte einer 5D III wiegt!!! Natürlich ist das durch den Spiegel etwas unfair, aber gut, weniger Gewicht ist eben weniger Gewicht und das wiederum heißt weniger schleppen und weniger über das Schleppen ärgern!

Alltagstauglichkeit

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Weniger Geld, weniger Schutz: im Vergleich zur Fuji X-T1 ist die X-T10 weder Wasser/Spritzwasser/Staub noch sonst irgendwie geschützt. Das bedeutet aber nicht, dass die Kamera bei der Berührung mit Wasser funkensprühend im Kreis springt und implodiert. Fuji verzichtet bei der X-T10 auf das Prädikat “wassergeschützt”, weil die Kamera keinen expliziten Wasserschutz besitzt wie die teuerere X-T1. Ich habe mit der Kamera bei nieselndem Regen fotografiert, das war okay. Bei Regen würde ich aber die sicherere Variante, Kameratasche oder Regenschirm wählen.

Nach ein paar Wochen habe ich auch ein paar Kratzer in der Legierung entdeckt. Ich weiß nicht, woher die Kratzer sind, oder wie sie entstanden sind, aber da die Kamera oft benutzt wurde, und oft aus Taschen raus und in Taschen reingewandert ist, kann das schonmal passieren. Der Benutzung schaden die Kratzer nicht, da sie nur in der Legierung sind, und ich habe mich damit abgefunden. Positiv daran ist, die Kamera sieht noch mehr Retro aus ;-).

Im Alltag war die Fuji X-T10 immer dabei. Mit ihrer Größe und ihrem Gewicht gab es auch einfach keine Entschuldigung, sie nicht mitzunehmen. Nicht, dass es einer bedurft hätte. Waren wir unterwegs, hing sie entweder lässig über der Schulter, fotografierte ohne groß aufzufallen, oder stand einfach als hübsches Ding im Raum rum. Das Fotografieren mit der Fuji ist zum Selbstläufer geworden, in irgendeiner Hand war sie fast immer. Sie macht einfach Spaß und bringt eine Leichtigkeit in die täglichen Fotos. Natürlich habe ich mit ihr auch Shootings fotografiert und sie im professionellen Bereich eingesetzt, aber es ist schön eine Kamera bei der Hand zu haben, eine bei der man nicht erstmal vorher Liegestütze machen muss um den Bizeps aufzuwärmen. Auch ist mir aufgefallen, dass alle Personen viel natürlicher reagieren, wenn man zu einer solchen kleineren Kamera greift. Zwar kommt es bei Kunden meist immer noch auf die Größe an (ihr wisst, was ich meine ;-)), aber im Alltag verschreckt man damit eher die Emotionen. Wie bei jeder Kamera gibt es eben Einsatzgebiete, die vorteilhaft oder aber nachteilig sind!

Einsatzgebiet

Bevor ich zu den vorteilhaften Einsatzgebieten der Fuji X-T10 komme, erstmal ein paar Worte zu denen, in der die Fuji vielleicht nicht die beste Wahl ist.

Wie schon angesprochen, kann die Größe der Kamera auch ein Nachteil sein, zB bei solchen Kunden, die das Wort “Fotograf” immer mit einer fünf Kilo Kamera und einem mindestens 200mm Objektiv assoziieren. Bei diesen Kunden kann man im ersten Eindruck mit der X-T10 nicht punkten, was bedeutet, dass der zweite Eindruck, und damit die Fotos, sitzen müssen. Damit ist das kein explizit nachteiliges Einsatzgebiet für die Fuji-Kamera, aber dennoch sollte einem das vorher bewusst sein.

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Extremsituationen wie Sportlerportraits in Kanus den Wasserfall hinunter? Eher nein. Auch wenn die Kamera überall mit dabei sein kann, ist das Actiongebiet meiner Meinung nach eher nichts für die X-T10. Erstens ist sie keine Actioncam und zweitens auch vom Gehäuse nicht auf extreme Bedingungen ausgelegt. Wer eine Kamera für die nächste Triathlon-Strecke sucht, der sollte sich etwas Robusteres suchen. Da ich in nächster Zeit keinen Triathlon geplant habe *hust* ist das okay für mich 🙂

Einsatzgebiet Crop-dich-Bild-Crop-dich, oder auch Pixelmonster? Wer nach einer Kamera sucht, die schwer ist, weil sie massen an Megapixel mit sich herumträgt, der ist bei der Fuji X-T10 falsch. Mit den 16 Mp hat sie teilweise weniger als so manches Smartphone, aber wie wir schlauen Füchse wissen, ist das ja nicht alles was zählt. Dennoch, megagroße Drucke mit vielen dpi sind das falsche Einsatzgebiet für die “Retro-Kamera”.

Kommen wir zu den Einsatzgebieten, bei denen die Fuji X-T10 glänzt. Wie schon geschrieben, sind die Größe und das Gewicht perfekt, um die Kamera immer dabei zu haben. Daraus lassen sich zwei Einsatzgebiete besonders hervorheben. Die Reisefotografie und die Streetfotografie. Auch die verschiedenen Looks, in Custom Profiles abgespeichert, sorgen für schnelle komplette Änderungen des Bildstils und beschaffen der Kamera so eine schöne Vielseitigkeit, die für beide Gebiete wirklich wichtig ist. Denn beide Einsatzgebiete enthalten sowohl People-, Landschafts- als auch Architekturfotografie, zwischen denen es oftmals schnell zu wechseln gilt. Wir waren mit der Fuji bei Schloss Neuschwanstein, haben Fotos für Facebook auf das Smartphone übertragen, einen See mit Schwänen, das Schloss und anschließend im Schnee fotografiert.

Doch auch in der Streetfotografie ist die Kamera durch ihre Unauffälligkeit ein Garant für tolle Momente. Es ist ein schönes Gefühl die Kamera immer bei der Hand zu haben, und einfach wieder  Fotos von Augenblicken festzuhalten.

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Für alle, die das Fotografieren als eigenes Element betrachten, sich voll und ganz dem Moment hingeben wollen, ist die Fuji X-T10 ein sehr guter Begleiter. Wer dabei noch eine Kamera für anspruchsvolle Portraitfotografie sucht ist hier ebenso richtig, wie der Reportagefotograf. Gerade für die Reportage können die hauseigenen Fuji-Looks und die Entwicklung der Bilder innerhalb der Kamera mit der Wifi-Option super optimiert werden, und so erhält man ein tolles Bild, dass sich direkt vom Smartphone aus verschicken oder hochladen lässt.

ISO-los fotografieren

Im Beitrag zur X-T1 hatte ich geschrieben, dass der Dynamikbereich des Fuji-Sensors verbesserungswürdig ist. Mit der X-T10 bekam ich jetzt denselben Sensor nochmal. Doch dieses Mal habe ich mir die DR-Funktion der Kamera genauer angeschaut, und bin damit über das ISO-lose Fotografieren gestolpert. Damit schließt der Sensor die Lücke im natürlichen Dynamikbereich (siehe Beitrag zur X-T1), und geht noch darüber hinaus!!!

Erstmal, für das ISO-lose Fotografieren benötigt man eine mögliche Entwicklung der RAW-Datei in Lightroom oder einem anderen Entwicklungsprogramm. Mit der In-Kamera-Entwicklung ist die Dynamik nicht zurückzuholen, da man in der Kamera nicht selektiv arbeiten kann. Selektiv bedeutet, dass wir bei einem Foto in der Entwicklung nur Teilbereiche aufhellen oder abdunkeln, anstatt es über den Lichter/Tiefen Regler auf das komplette Bild zu beziehen.

Die Fuji kann ab ISO 400 einen DR-Wert von 200% und ab ISO 800 einen DR-Wert von 400% annehmen. Okay, nochmal in langsam: Ausgangslage ist der Sensor. Sensoren haben eine Grund-Sensitivity. Also in unserem Falle der X-T10 ISO200. Wenn man in ISO400 fotografiert, dann wird in der Kamera der Sensor hoch gefahren und die daraus entstehenden Informationen werden in die Rohdatei geschrieben. Schalte ich jetzt DR200% ein, dann speichert die Kamera das Bild in ISO200 ab und überlässt dem RAW-Konverter dann die nachträgliche Belichtungsveränderung. Zwar steht in der Rohdatei auch drin, dass der Fotograf mit DR200% fotografiert hat und das Bild wird auch in der eingebetteten Vorschaudatei hoch belichtet, die Rohinformationen entsprechen aber der Aufnahme mit ISO200. Bei DR400% sprechen wir eben von einem Äquivalent zu ISO800 welches trotzdem mit ISO200 belichtet wurde.

Diese andere Art der Sensoransteuerung, nämlich die nachträgliche, erlaubt deutlich höhere Dynamiken in eine Richtung. Und zwar von hell nach dunkel. Das helle Bild mit ISO800 und DR400% sieht zwar hell aus, entspricht auch auf dem Display äußerlich anscheinlich dem regulären ISO800 Bild, die Rohdatei enthält aber Informationen  in den Lichtern entsprechend der ISO200 Aufnahme weil es eine reguläre Aufnahme mit ISO200 ist. Gegenüber der ISO800 Aufnahme also 2 Blendendstufen mehr Informationen in den Lichtern weil es eben auch zwei Blenden dunkler belichtet wurde.
Lightroom erkennt die Unterbelichtung bzw. die eigentlich geplante Belichtung trotz ISO200 und pushed das Bild.

Ich frage mich auch ehrlich warum andere Kamerahersteller das nicht auch machen? Alle anderen Kameras zerstören sozusagen den nativen ISO-Wert der Kamera und schreiben die Daten fix reduziert in die Rohdatei. Warum? Man könnte zwar auch per Hand direkt unterbelichten aber damit hab ich echt meine Probleme. Alle Bilder sehen dann fast schwarz aus :-)…

ZUSATZ

  1. Es empfiehlt sich DR immer an zu haben. Es ist ein Plus an Dynamik, nicht weniger. Wenigsten DR-AUTO ist aber definitiv sinnvoll.
  2. Die Qualität hängt von der Raw-Engine ab. Mehr Rauschen haben wir nicht festgestellt. Die Tiefen werden durch DR auch nicht verbessert, nur die Lichter! Die Tiefen sind bei Sony Sensoren aktuell noch besser.
  3. Es empfiehlt sich deutlich heller zu belichten und das generelle Bild dunkler zu ziehen anstatt heller! Und mit deutlich ist bei DR400 circa 1 Blende gemeint, maximal 1,5 Blenden.
  4.  Einzige Gefahr ist bei DR-Fotos, dass man die unfassbare Dynamik in der Retusche und im Workflow nicht gewohnt ist und die Bilder echt anders aussehen. Anfangs hatten wir jedenfalls echt Probleme denn es geht sehr schnell dass man fast schon ein HDR aus einem Foto entwickelt.

Aber lasst uns da in der Praxis nochmal genauer hinschauen. Ich habe mir eine Sony Alpha 7 II dazugenommen und bin raus auf Kölner Straßen. Dabei habe ich mir einen Platz mit einem hohen Dynamikunterschied gesucht, um beide Kameras vor große Probleme zu stellen. Erste Station: Unter die Brücke!

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Erstmal nehme ich zwei Bilder normal auf, bei denen ich darauf achte, dass der Himmel nicht ausbrennt. Es geht also um die Dynamik in den Tiefen. Die Fuji weist eine kleinere Normal-Dynamik (ohne ISO-LESS) auf als die Sony, bei der noch Zeichnung im Himmel und immer noch Details im Bereich unter der Brücke vorhanden sind. Bei der Fuji sieht man etwas mehr Schwarzwerte anstatt leichter Zeichnung auf dem Boden.

Ich habe auch mal testweise das Bild in LR über 3-4 Blenden hoch gezogen und auch dort sieht man mehr Dynamik bei der Sony. Die Stärke der Sony Sensoren ist den Tiefen ist also nach wie vor sichtbar… aber…

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Doch jetzt greifen wir auf die DR-Funktion der Fuji zurück, stellen den ISO Wert auf 800 und nutzen die vollen 400%. Da finde ich, dass die Fuji bei gleichen Einstellungen etwas besser mit den hellen Stellen zurechtkommt, als die Sony 7 II.  Geht man jetzt noch in Lightroom oder Camera RAW und schraubt die Belichtung zurück, gibt es eine kleine Überraschung. Und zwar, wieviel Zeichnung die X-T10 noch aus den hellen Bereichen herausholt! Wir alle kennen Sony Kameras, wir alle wissen, dass die Dynamik der Sony-Sensoren die Konkurrenz weit zurücklässt. Hier darf nicht der Fehler gemacht werden, der Sony keine gute Dynamik zu unterstellen, sondern hier kann man erkennen: ISOloses Fotografieren hat unfassbare Vorteile! Wir steigern das Potenzial unserer Kameras um ein Vielfaches!!!

ACHTUNG: ISOlos funktioniert nur von hell nach dunkel und nicht anders herum.

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Es ist vorteilhaft DR200 und DR400 immer und überall eingestellt zu haben. Man kann nur gewinnen, selbst wenn man die Zeichnung nachher nicht braucht. DR-Auto ist fantastisch und sorgt je nach ISO Wert für den maximalen DR-Wert. Man kann nämlich mit ISO400 nicht DR400 nutzen sondern erst ab ISO800.

Vor allem bei Available Light Aufnahmen bringt das tolle Möglichkeiten: Selbst wenn der Himmel im Bild ausbrennt, damit das Model richtig belichtet ist, kann ich ohne Sorge weitermachen. Zumindest solange ich im Bereich der zwei Blenden bleibe. Achtung: Das ISOlose Fotografieren schützt vor Helligkeit, nicht jedoch vor zu dunklen Bereichen!

Fazit

Für alle Schnellleser:

  • Kleinere X-T1 mit wenig Kompromissen
  • Gute Mischung aus Professionalität und Leichtigkeit
  • Lange Akkulaufzeit für eine spiegellose Kamera
  • Top Schärfe und optische Qualität
  • Eine klare 10 für das Aussehen
  • Dynamikumfang-Optimierung gegen Überbelichtung
  • Kein Schutz vor Wasser
  • Keine Sensorstabilisierung

Was am Ende bleibt, ist eine kleine Form der Hassliebe. Ich liebe diese Kamera, die ineinander verschmelzende Mischung aus logischem, effektivem Aufbau und Designprodukt. Ich liebe den Hang zur analogen Welt, ich liebe die Detailverliebtheit aller einzelnen Ecken und Kanten. Doch es gibt auch Punkte, die mich von dieser Liebe weg und in die Realität zurückreißen. Der Sucher ist nicht der Größte, der Griff ist nicht der Griffigste. Beim Autofokus hat sich zwar einiges getan, aber hier sehe ich das meiste Verbesserungspotenzial. Jedenfalls gegenüber den jahrelang fein getunten AF-Sensoren einer 1DX oder 5D Mark III. Bei der Dynamik allerdings bin ich verblüfft, denn mit so einem starken Umfang hatte ich nicht gerechnet. Das ISO-less Fotografieren der Fuji stellt in Punkto Ausgabe-Dynamik alles in den Schatten und lässt jede noch so teure Kamera wie ein Handy aussehen! Es ist wie immer und überall. Kompromisse muss man machen. Entscheidet man sich für die Fuji, dann in erster Linie aufgrund einer Verbundenheit zu dieser Kamera. Man spürt sie, man verliebt sich in sie, man versteht sie. Der technische Part ist die zweite Möglichkeit der Entscheidung, doch Fuji hat es mal wieder geschafft, eine innen und außen wundervolle Kamera zu kreieren und die Herzen der Fotografen zu erreichen…

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Letztendlich stellt sich die Fuji X-T10 als eine Weiterentwicklung der größten Schwächen der Schwester X-T1 und einer sinnvollen Erweiterung in der Fuji-Reihe heraus. Sie mag kleiner sein und Wasser nicht vertragen und auch an die Bildqualität der erwachsenen Retro-Kamera nicht ganz heranreichen. Aber die X-T10 ist nicht nur prinzipiell innerhalb des Gehäuses eine gleichwertige Kamera, die mit einem verbesserten Autofokus, und einer geringeren Größe aufwartet. Der größte Unterschied zwischen den beiden Kameras ist der deutlich geringere Preis der Fuji X-T10. Das alles spricht für die Fuji und für Fuji selbst, deren Kameras nach meinen Gefühl oft unterschätzt werden. Völlig zu Unrecht!
Für alle, die momentan auf der Suche nach einer neuen, kleinen, stylishen, leistungsstarken Immerdabei-Kamera sind,  sollte die X-T10 auf jeden Fall auf dem Optionen-Zettel stehen!!!

Bilder statt Worte sprechen lassen

Nachfolgend noch ein paar Aufnahmen von uns, gemacht mit der Fuji X-T10.

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