in

NIKON CLS LUDOLPH TEIL 1: FLUCH UND SEGEN – DAS NIKON CREATIVE LIGHTING SYSTEM

patrick ludolph

Patrick Ludolph

Moin moin (Anmerk. d. Red.: Patrick als alter Hamburger sagt so “HALLO”) liebe Blogleser,

Martin hat mich ja bereits kurz vorgestellt. Ich freue mich ganz besonders hier im Blog die Reihe rund um das Blitzen mit dem Nikon Creative Lighting System (CLS) fortführen zu dürfen. Andreas Jorns hat diesbezüglich bereits sehr gute Arbeit geleistet und so trete ich ein schweres Erbe an. Wir haben uns daher auch entschieden die CLS-Reihe von vorne zu beginnen, da es deutlich einfacher ist eine komplette Reihe selbst zu verfassen, statt eine Vorhandene zu ergänzen. So wird es zwar besonders am Anfang einiges an doppelten Inhalten geben, dafür haben aber auch Neueinsteiger die Chance die Reihe von Beginn zu verfolgen. Für mich ist es besonders wichtig die Kommentare von Anfang an zu verfolgen und diese auch zu beantworten. Erwarten könnt Ihr einen Mix aus technischen Artikeln, die sich um das Equipment und die Bedienung drehen und praktischer Anwendung mit entsprechenden Beispielfotos.

Genug geschnackt, ich will gleich loslegen und Euch erzählen was für mich die Beweggründe sind das Creative Lighting System zu verwenden und wo die Vor- aber auch Nachteile liegen. Einige der Features werden mittlerweile auch von anderen Herstellern angeboten, so dass sie nicht unbedingt ein Alleinstellungsmerkmal sind. Dennoch glaube ich, dass Nikon hier das fortgeschrittenste Gesamtpaket anbietet.

Master/Slave Steuerung eingebaut

Herzstück und größter Pluspunkt des CLS ist die Master/Slave-Steuerung, das Nikon Marketing nennt das AWL (Advanced Wireless Lighting). Ohne weitere Hilfsmittel kann ich entfesselt blitzen und das obendrein auch noch mit Unterstützung der ganzen Features wie TTL, der Kurzzeitsynchronisation oder dem Blitzmesswertspeicher. Es stehen prinzipiell sämtliche Funktionen zur Verfügung, die ich auch mit dem Blitz auf der Kamera nutzen kann. Für faule Menschen wie mich ist es Vorteilhaft, dass man sämtliche Blitze vom Master an der Kamera steuern kann. Wer mag, kann die Slave-Blitze auch manuell betreiben und die Leistung vom Master aus regeln. Sehr bequem.

Besonders hervorheben möchte ich die Möglichkeit den eingebauten Aufklappblitz vieler Nikon-Kameras als Master zu verwenden. Damit werden die kleinen Biester richtig wertvoll. D90, D7000, D300, D300s und D700 besitzen dieses Feature und so kann man mit nur einem Blitz bereits entfesselt blitzen bei voller TTL-Unterstützung. Nikon hat jetzt sogar den neuen SB-700* mit Master-Funktion ausgestattet, was der grösste Vorteil gegenüber dem Vorgänger SB-600 ist. Aber später dazu mehr, denn alleine die Technik der Nikon Master/Slave Steuerung wird einen ganzen Artikel füllen.

101226PL53384

FP-Kurzzeitsynchronisation – Blitzen bei jeder Verschlusszeit

Wer sich mit der Blitzfotografie beschäftigt, stößt sehr bald auf das Thema Blitzsynchronzeit. Ich werde darauf auch noch einmal genauer eingehen, wenn ich mir das Thema detailliert vornehme. Aber pauschal lässt sich sagen, dass bei Verwendung eines Blitzes bei 1/250 Sek. Verschlusszeit Feierabend ist. Wer kürzere Zeiten benötigt, muss anfangen zu tricksen … oder das CLS verwenden 😉 Damit könnt Ihr auch bei Verschlusszeiten von bis zu 1/8000 Sek. noch den Blitz verwenden. Toll, oder? Leider ist dieser Segen auch gleichzeitig ein Fluch, denn dieses Feature frisst Leistung und das nicht zu knapp. Das Paradoxe daran ist: Immer wenn man kurze Verschlusszeiten benötigt, z.B. bei starkem Sonnenlicht, braucht man eigentlich auch viel Blitzleistung. Je kürzer die Verschlusszeit umso weniger Leistung hat jedoch mein Blitz.

Hier mal ein Beispielfoto. Die Sonne steht links im Rücken des Models. Zur Aufhellung von vorne rechts kam ein SB-900 zum Einsatz. Durch die helle Sonne und die verwendete Blende f/2,0 ergab sich eine Verschlusszeit von 1/3200 Sek. Ohne Kurzzeitsynchronisation wäre ich aufgeschmissen gewesen, zumal ich auch keinen Reflektor dabei hatte. Ich hatte ISO 800 eingestellt, weil ich zunächst die mangelnde Blitzleistung durch einen höheren ISO-Wert kompensieren wollte. Das hat jedoch Leistung aufgrund der Kurzzeitsynchronisation gekostet … Ihr seht schon … es gibt einiges zu diskutieren 😉 Die Lösung lag letztendlich darin den Blitz möglichst nah am Model zu platzieren.

101201PL48060

Ach so: FP steht übrigens für Focal Plane und bezeichnet den Schlitzverschluss, welcher uns den ganzen Salat mit der Blitzsynchronzeit überhaupt erst eingebrockt hat.

FV-Blitzmesswertspeicher – Kein Vorblitz und konstante Leistung

Der Blitzmesswertspeicher wird oft unterschätzt oder gar nicht beachtet, dabei ist er ein geniales Feature, das jeder CLS-Fotograf kennen sollte. FV steht für Flash Value. Diese Funktion speichert also die Blitzleistung. Ein Anwendungsfall ist z.B. bei Portraits. Stellt Euch vor, Ihr stellt mit dem mittleren Messfeld der Kamera den Fokus auf Euer Model ein und verschwenkt dann die Kamera um das Gesicht am Bildrand zu haben. Wenn Ihr jetzt auslöst, gehen die Messblitze am Modell vorbei und werden vom Hintergrund reflektiert. Die Kamera wird je nach Messmethode dem Hintergrund viel mehr Gewicht geben, was je nach Hintergrund zu deutlicher Über- oder Unterbelichtung führen wird. Mit dem Blitzmesswertspeicher könnt Ihr den Messblitz in dem Moment auslösen, in dem Ihr auch den Fokus auf das Modell einstellt und so passend auf die Haut die Belichtung einmessen. Nun ist die Leistung gespeichert und Ihr könnt beliebig die Kamera verschwenken, der Blitz wird immer die gleiche Leistung abgeben. Die Funktion ist auch sehr hilfreich, wenn Ihr starke Kontraste durch die Kleidung des Models habt. Der Klassiker ist das Brautpaar mit strahlend weissem Kleid und tiefschwarzem Anzug. Ihr könnt nun ganz selektiv auf die Haut der Braut den Blitz einstellen ohne die Kamera von zu viel Weiss und Schwarz zu verwirren.

Ein angenehmer Nebeneffekt ist, dass Ihr keinen Vorblitz mehr habt. Manche Menschen reagieren so schnell und sensibel auf den Vorblitz, dass sie blitzartig die Augen schliessen und diese dann auf dem endgültigen Bild zu sind. Nun könnt Ihr wieder den Überraschungseffekt nutzen 😉

Automatische Farbtemperaturanpasung

Ihr wisst sicherlich alle, dass verschiedene Lichtquellen unterschiedliche Farbtemperaturen haben. Daher machen wir ja auch den Weissabgleich in der Kamera, der meistens dafür zuständig ist die richtige Stimmung im Bild wiederzugeben. Die Nikon-Blitze entsprechen in etwa der Farbtemperatur von Tageslicht. Fotografiert Ihr damit z.B. bei Kerzenschein, Leuchtstoffröhren- oder Glühlampenlicht, so habt Ihr es mit sog. Mischlicht zu tun. Das CLS erkennt diesen Umstand und lässt die Informationen in den automatischen Weissabgleich einfliessen, was oft zu besseren Ergebnissen führt als wenn Ihr den Weissabgleich manuell einstellt.

Wichtig: Das Feature greift nur, wenn Ihr den automatischen Weissabgleich verwendet.

Nachteile des CLS

Jede Medaille hat auch eine Kehrseite und so gibt es auch beim Nikon CLS Nachteile, die man kennen sollte um nicht in die Falle zu laufen.

Da wären zunächst mal die Kosten. Für den Preis von einem SB-900* könnt Ihr Euch auch drei Chinablitze inkl. Funkauslöser kaufen. Ihr müsst die Blitze dann manuell einstellen, was je nach Situation auch vorteilhaft sein kann. Selbst Studioblitzköpfe bekommt man bereits in der Preisklasse eines SB-900*.

Die Master/Slave-Steuerung basiert auf optischen Signalen, d.h. es muss Sichtkontakt zwischen dem Master und dem Slave-Blitz herrschen. Je nach Setup kann das schon mal Nerven kosten. Draussen bei starkem Sonnenschein kann es sogar zum Totalversagen führen oder die Reichweite extrem einschränken.

Die kleinen Blitze sind nicht für exzessives Dauerfeuer ausgelegt. Speziell der SB-900 erreicht sehr schnell eine Temperatur, die ihn in den Streik treten lässt. Sehr schnell kommen auch die Aufklappblitze an ihre Grenzen, selbst wenn man sie nur als Master verwendet.

Vorteile des CLS

Die Features habe ich ja oben bereits aufgezählt. Das CLS spielt seine Vorteile aus, wenn man mobil und schnell sein muss. Events, Hochzeiten und Outdoor-Shootings im Guerilla-Style sind die Domäne des CLS. Einfach den Blitz von der Kamera nehmen, eine kleine Softbox davor und mit der einen Hand hoch halten. TTL kümmert sich um die Blitzleistung und dank AWL habt Ihr keine störenden Kabel. So habt Ihr mit leichtem Gepäck alles was man für ein tolles Foto benötigt. Dank des universellen Master/Slaves Modes könnt Ihr auch umfangreiche Setups steuern in denen sich sogar TTL und manuelle Steuerung kombinieren lässt. Bereits mit einer D90 und einem SB-600 hat man alles, was man für den Einstieg braucht.

So Leute, das war erst einmal eine recht trockene Einführung. Aber ein kleiner Überblick muss einfach sein. In den weiteren Posts werde ich mir dann einzelne Elemente herauspicken und diese versuchen anschaulich zu erklären.

Bis zum nächsten mal

Euer Paddy (Mehr von mir findet Ihr auf meinem Blog http://neunzehn72.de und auf meiner Facebook Page)

ANMERKUNG VON MARTIN & MARC… Paddy schreibt diese Reihe ja für euch. Bitte lasst ihn über die Kommentare wissen wo genau die Reise hin gehen soll, was ihr lesen und lernen wollt und zeigt auch, dass die Leserschaft von Krolop & Gerst einen wie Patrick verdient hat! Ran an die Kommentare auch wenn hier normalerweise die meisten STILLE LESER sind :-)…

++++++++++++++++++++

*Affiliate Link zu Amazon

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

nikon cls ludolph blitz fotografie aufhellen header

NIKON CLS LUDOLPH TEIL 2: TTL BL – DER AUFHELLBLITZ DES NIKON CLS