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Bokeh und Unschärfe von f1.4 zu f1.8 in der Praxis

Der heutige Beitrag kümmert sich um einen falschen Hang zu extrem offenblendigen Objektiven. Anknüpfungspunkt ist das Tamron 35mm Objektiv aber der Inhalt bezieht sich natürlich auf sämtliche Objektive. Unschärfe, Freistellung und Bokeh hängen nicht nur an der f1.2 auf dem Objektiv. Die Unterschiede in der Praxis sind oft nur minimal!!!

Ich möchte nicht dass der Artikel falsch verstanden wird! Es geht nicht um irgendwelche Rechtfertigungen warum Sigma oder Tamron oder Canon. Es geht nicht um die Sinnhaftigkeit von Stabi oder nicht! Es geht alleine um das den Unschärfe-Look!!!


Nach unserem Beitrag zum neuen 45er und 35er von Tamron gab es einige interessante Einwürfe im Bezug auf die “Konkurrenz” des Tamron 35ers zum Sigma 35er. Oft spürbares Credo war dabei, dass f1.4 immer besser ist als f1.8. Ich weiß nicht warum aber scheinbar wird f1.8 mit der 100 € Linse von Canon gleichgesetzt und jede bessere Linse muss gleich f1.4 oder f1.2 haben. Daran wird heutzutage scheinbar die Qualität gemessen??? Ja, traurig wenn das wahr ist.

Freistellung und Bokeh sind dann so Schlagwörter die scheinbar jede Diskussion schon im Vorfeld unterbinden möchten. Da wird auch nicht darauf geschaut, dass auch Zeiss mit seinen BATIS Objektiven für die Sony Alpha Serie eine f1.8 als maximale Blende für sinnvoll erachtet. Nein, Bokeh und Freistellung, da braucht man ja f1.4. Mit f1.8 geht da garnix!!!!

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Gut, dann gibt es heute mal den Test! Ich hab einfach mal ein lebendes Model genommen und so fotografiert, wie man es in der Praxis tut. Kein Stativ, kein Test-Setup. Einfach nur möglichst identische Fotos aus der Hand. Die vier Fotos unten zeigen das Ergebnis. Zwei davon mit dem Sigma 35er bei f1.4 und zwei mit dem Tamron bei f1.8.

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An den Fotos erkennt man, dass man fast nix erkennt! Den größten Unterschied kann man evtl. an den Balkonen über ihrer rechten Schulter erkennen. 🙂 Aber auch da muss man genau hingucken!

Wie schon gerade geschrieben! Es wurde so gut es geht das gleiche Motiv mit dem gleichen Schnitt fotografiert. Wahrscheinlich sauberer als man es in der Praxis machen würde. Das Licht hat sich während der 5 Minuten des Shootings nur ganz leicht verändert. Die Bilder wurden allesamt identisch bearbeitet und auf 1920px Breite exportiert. Das Model bekam sogar die Anweisung sich möglichst nicht zu bewegen. Eine Sache die in der Realität auch noch verschärfend dazukommen WÜRDE, aber für unseren Test ausgeschaltet wurde. Unterschiedliche Posen würden unterschiedliche Schnitte zur Folge haben und damit wieder unterschiedliche Unschärfe. Die Bilder haben die EXIF-Daten noch mit drin! Ich weiß selbst nicht mal mehr, welche Aufnahme mit welchem Objektiv entstanden ist. Wer mir nicht traut, der muss die Exifs so aus dem Bild fischen und nachprüfen!

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Die Unschärfe eines Fotos hängt primär mit dem Abbildungsmaßstab und erst sekundär mit der Blende zusammen. Das ist der Grund warum man Makro-Aufnahmen selbst bei f22 mit ziemlich hoher Unschärfe aufnehmen kann und so manche Biene nicht mal bei f32 gänzlich scharf wird. Umgekehrt kann man mit f1.4 auch eine Landschaft fotografieren und bekommt evtl. gar keine Freistellung. Lange Rede kurzer Sinn, der Abbildungsmaßstab ist das entscheidende Kriterium und der verändert in der Praxis die Unschärfe sehr stark. Ein leichtes Vor- und Zurückschwanken während des Fotografierens kann die Unschärfe deutlich vergrößern oder verkleinern. Für das fertige Foto ergibt das einen visuellen Effekt als ob ein kleiner Gnom in der Kamera die Blende im Geheimen öffnen und schließen würde. Und zwar um mehr als nur einen kleinen Schritt. Gerade im Nahbereich, und dabei zählt beim Portraitshooting schon 1-2m Abstand zum Model, ergeben wenige Centimeter Schwankung schon einen sichtbaren Effekt.

Vielleicht sollte sich der eine oder andere Fotograf etwas mehr entspannen. f1.8 muss nicht schlecht sein und viele Fotografen erreichen auch mit f2.8 super schöne Freistellungen. Nicht vergessen, wer nachträglich schneidet, der schneidet sich nicht nur Megapixel weg. Davon gibt es heutzutage meist genug! Aber er schneidet sich vielmehr die Freistellung aus dem Bild. Denn wer fotografiert hat und zu viel Drumherum auf dem Bild hat, der hätte im Umkehrschluss auch näher ran gehen und damit die Unschärfe deutlich erhöhen können.

In diesem Sinne einen frohen Gruß aus Köln,

euer Martin

PS: Ich möchte an dieser Stelle nochmals drauf hinweisen, dass es mir nicht um Lobhudellei zum 35er von Tamron geht. Darüber habe ich ja meine ehrliche Meinung abgegeben. Ich möchte mit diesem Beitrag darauf hinweisen, dass es durchaus Gründe gibt ein Objektiv zu nutzen, was vielleicht nicht so ins Extrem gebaut ist. Zeiss geht mit der Batis Reihe ja auch den gleichen Weg und die könnten sicherlich ein f1.0 bauen. Tun sie aber nicht weil auch für Zeiss f1.8 eine perfekte Kombo aus allen Wünschen ist. So kann man auch mal ruhig auf ein günstiges f2 Objektiv zurückgreifen und muss nicht immer nach den Extremen schielen.

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