Welche Bildbearbeitungssoftware ist die beste? Radiant Photo, Luminar, Evoto und Adobe im Vergleich
Radiant Photo, Luminar, Evoto, Lightroom, Photoshop, Capture One – die Auswahl an Bildbearbeitungssoftwares war wahrscheinlich noch nie so groß wie heute. Gleichzeitig unterscheiden sich die Programme inzwischen so stark voneinander, dass die Frage nach der „besten Bildbearbeitungssoftware“ eigentlich falsch gestellt ist. Entscheidend ist vielmehr: Was möchte ich mit meinem Bild machen – und wie schnell muss ich zum Ergebnis kommen?
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Wir haben in den vergangenen Jahren mit sehr unterschiedlichen Lösungen gearbeitet. Manche optimieren ein bereits gutes Foto, andere bieten umfangreiche kreative Werkzeuge und wieder andere automatisieren Retusche in einem Umfang, für den früher sehr viel manuelle Arbeit notwendig gewesen wäre.
Zeit also für einen Vergleich: Wo liegen die Stärken von Radiant Photo, Luminar und Evoto? Wann sind Lightroom und Photoshop weiterhin sinnvoll? Und vor allem: Wie passt all das zu einer fotografischen Philosophie, bei der wir eigentlich versuchen, bereits beim Auslösen möglichst nah am fertigen Bild zu sein?
Welche Bildbearbeitungssoftware braucht man wirklich?
Die vielleicht wichtigste Erkenntnis zuerst: Es gibt nicht die eine Software, die in jeder Situation automatisch die beste Wahl ist.
Wer Bilder lediglich etwas optimieren möchte, braucht andere Werkzeuge als jemand, der aufwendige Beauty-Retuschen durchführen muss. Ein Hochzeitsfotograf mit mehreren tausend Aufnahmen pro Wochenende hat wiederum völlig andere Anforderungen als ein Portraitfotograf, der zehn ausgewählte Bilder intensiv bearbeitet.
Genau deshalb betrachten wir die unterschiedlichen Programme weniger als direkte Konkurrenten. Sie besetzen teilweise völlig verschiedene Bereiche innerhalb eines fotografischen Workflows.
Besonders deutlich wird das bei drei Programmen, die bei uns inzwischen sehr unterschiedliche Aufgaben übernehmen:
- Radiant Photo für schnelle und vergleichsweise natürliche Bildoptimierung,
- Luminar für gezielte, umfangreichere und kreative Bearbeitung,
- Evoto für automatisierte People- und Beauty-Retusche.
Alle drei bearbeiten Bilder. Trotzdem lösen sie drei unterschiedliche Probleme.
Adobe Lightroom und Photoshop: Der etablierte Standard mit enormem Funktionsumfang
Lightroom und Photoshop begleiten die professionelle Fotografie seit vielen Jahren. Auch bei uns waren beziehungsweise sind Adobe-Produkte ein wichtiger Bestandteil des Workflows.
Dabei liegt die große Stärke von Adobe weniger in einer einzelnen Funktion als im gesamten Ökosystem. Lightroom verbindet Bildverwaltung und RAW-Entwicklung, während Photoshop nahezu unbegrenzte Möglichkeiten bei Retusche, Ebenen, Compositing und komplexen Bildmanipulationen bietet.
Vorteile von Lightroom und Photoshop
- sehr großer Funktionsumfang,
- professionelle RAW-Entwicklung,
- umfangreiche Bildverwaltung in Lightroom,
- extrem präzise lokale Bearbeitung,
- Ebenen und komplexe Retusche in Photoshop,
- etablierter Standard in vielen professionellen Workflows.
Nachteile von Lightroom und Photoshop
Die enorme Funktionsvielfalt ist gleichzeitig eine der größten Schwächen – zumindest dann, wenn man eigentlich nur schnell zu einem guten Ergebnis kommen möchte.
Photoshop kann wahrscheinlich mehr als nahezu jedes andere Bildbearbeitungsprogramm. Die entscheidende Frage lautet jedoch: Brauche ich diese Möglichkeiten für jedes Bild?
Für unseren aktuellen Workflow ist die Komplexität ein wesentlicher Punkt. Wenn ein Foto bereits beim Fotografieren sehr nah am gewünschten Ergebnis liegt, möchten wir nicht zwangsläufig eine umfangreiche Software öffnen und einen komplexen Bearbeitungsprozess starten.
Hinzu kommt das Abo-Modell. Das Abonnement an sich muss dabei nicht automatisch negativ sein. Für Unternehmen oder Selbstständige sind laufende Softwarekosten grundsätzlich normal. Entscheidend ist vielmehr, wie viele Lizenzen benötigt werden, wie hoch die monatlichen Gesamtkosten sind und wie intensiv die enthaltenen Programme tatsächlich genutzt werden.
Wer sämtliche Funktionen regelmäßig benötigt, bekommt mit Adobe weiterhin ein extrem leistungsfähiges Werkzeug. Wer dagegen nur einen kleinen Teil davon nutzt, kann feststellen, dass einfachere Lösungen wirtschaftlich und organisatorisch interessanter sind.
Radiant Photo: Das Foto soll ein Foto bleiben
Radiant Photo übernimmt in unserem Workflow eine sehr klare Rolle: Es ist in erster Linie ein Werkzeug zur schnellen Bildentwicklung und Bildoptimierung.
Das Programm analysiert eine Aufnahme und versucht zu erkennen, um welche Art von Bild es sich handelt. Landschaft, Portrait oder andere Motive können automatisch erkannt und entsprechend optimiert werden.
Entscheidend ist dabei die Art der Bearbeitung. Im im Video gezeigten Workflow werden keine komplett neuen Bildbestandteile erfunden. Stattdessen analysiert die Software das vorhandene Foto und passt klassische Bearbeitungsparameter entsprechend an.
Genau deshalb eignet sich Radiant Photo besonders für Fotografen, die möglichst nah an ihrer ursprünglichen Aufnahme bleiben möchten.
Was macht Radiant Photo besonders gut?
Die vielleicht größte Stärke ist seine Geschwindigkeit. Ein kompletter Ordner kann geladen werden und die automatische Analyse liefert bei vielen Bildern bereits mit sehr wenigen Eingriffen ein überzeugendes Ergebnis.
Kontrast, Klarheit, Dynamik und andere Parameter werden angepasst, während der ursprüngliche Charakter der Aufnahme weitgehend erhalten bleibt.
Ein leicht wärmerer oder kühlerer Weißabgleich, der bereits während der Aufnahme vorhanden war, wird beispielsweise nicht zwangsläufig komplett neutralisiert. Dadurch entsteht weniger der Eindruck eines künstlich neu interpretierten Bildes.
Gerade bei Landschaftsaufnahmen oder Bildern, denen lediglich etwas Kontrast und Klarheit fehlen, kann das sehr effektiv sein.
Vorteile von Radiant Photo
- sehr schneller Workflow,
- automatische Motiverkennung,
- vergleichsweise zurückhaltende Optimierung,
- das ursprüngliche Foto bleibt klar erkennbar,
- wenig Gefahr, sich in unzähligen Funktionen zu verlieren,
- gut für größere Mengen bereits brauchbarer Aufnahmen.
Nachteile von Radiant Photo
Die bewusst reduzierte Ausrichtung bedeutet gleichzeitig, dass Radiant nicht das passende Werkzeug für jede Aufgabe ist.
Wer umfangreiche Retuschen, kreative Compositings oder drastische Veränderungen durchführen möchte, stößt schneller an Grenzen als bei komplexeren Programmen.
Genau das ist allerdings gleichzeitig Teil des Konzepts: Radiant soll nicht zwangsläufig jedes denkbare Problem lösen, sondern ein vorhandenes Foto schnell und unkompliziert optimieren.
Luminar: Zwischen klassischer Bildentwicklung und kreativer Manipulation
Luminar geht einen deutlichen Schritt weiter. Für uns ist es von den hier betrachteten Programmen am ehesten eine umfassende Alternative zu einem klassischen Lightroom-orientierten Workflow.
Die Software verfügt über einen Katalog, kann größere Bildbestände verwalten und bietet gleichzeitig eine große Auswahl an Presets und Bearbeitungswerkzeugen.
Der entscheidende Unterschied zu Radiant liegt in der Tiefe der möglichen Veränderungen.
Starke Einzelwerkzeuge
Luminar bietet einige Werkzeuge, die insbesondere bei problematischen Einzelbildern sehr hilfreich sein können. Dazu gehören beispielsweise Funktionen zum Entrauschen, Schärfen, Verstärken von Strukturen oder zur gezielten Veränderung der Bildwirkung.
Genau dafür nutzen wir das Programm besonders gerne: nicht zwingend für jedes Foto einer Serie, sondern gezielt bei einzelnen Bildern, bei denen wir mehr Eingriffsmöglichkeiten benötigen.
Generative und kreative Möglichkeiten
Luminar kann aber noch deutlich weiter gehen. Himmel lassen sich ersetzen, störende Elemente entfernen und Bildinhalte stärker verändern.
Spätestens an diesem Punkt verlassen wir den Bereich einer klassischen Entwicklung und bewegen uns in Richtung Bildmanipulation beziehungsweise generativer Bearbeitung.
Das muss nicht grundsätzlich negativ sein. In kommerziellen Produktionen kann ein Kunde beispielsweise ausdrücklich verlangen, einen Himmel auszutauschen oder ein störendes Element zu entfernen. Dann ist die entscheidende Aufgabe nicht mehr unbedingt, eine fotografische Realität exakt abzubilden, sondern ein gewünschtes Endergebnis zu produzieren.
Vorteile von Luminar
- umfangreichere Bearbeitungsmöglichkeiten als Radiant Photo,
- Bildkatalog und Verwaltung,
- leistungsfähige Werkzeuge für Rauschreduzierung und Schärfung,
- viele kreative Presets,
- lokale und umfangreichere Bildveränderungen möglich,
- generative Werkzeuge für spezielle Aufgaben.
Nachteile von Luminar
Der Funktionsumfang kann gleichzeitig dazu führen, dass der Workflow weniger geradlinig wird.
Während Radiant sehr stark dazu einlädt, ein Bild zu öffnen, zu optimieren und anschließend weiterzugehen, kann man sich in Luminar deutlich länger mit unterschiedlichen Presets, Reglern und kreativen Möglichkeiten beschäftigen.
Das ist keine grundsätzliche Schwäche der Software. Es bedeutet lediglich, dass Luminar eine andere Art des Arbeitens ermöglicht – und teilweise auch verlangt.
Evoto: Maximale Geschwindigkeit bei der People-Retusche
Noch einmal deutlich anders arbeitet Evoto. Hier geht es weniger um klassische RAW-Entwicklung und stärker um automatisierte Retusche.
Besonders in der People-, Beauty-, Content- und Influencer-Fotografie können innerhalb sehr kurzer Zeit Veränderungen durchgeführt werden, die früher teilweise aufwendige manuelle Retusche benötigt hätten.
Haut, Haare, Körperformen, Augenpartien, Kleidung und teilweise auch Hintergründe können analysiert und angepasst werden. Selbst sehr spezifische Retuschebereiche lassen sich automatisieren.
Technisch ist das beeindruckend. Fotografisch und philosophisch ist es gleichzeitig das Tool, das die meisten Fragen aufwirft.
Der große Vorteil: Geschwindigkeit
Für kommerzielle Produktionen kann Evoto enorme Zeit sparen.
Eine manuelle Beauty-Retusche kostet Zeit – und Zeit ist in einem professionellen Betrieb eine sehr konkrete wirtschaftliche Größe.
Wenn ein Kunde zehn, zwanzig oder mehr fertige Portraits erwartet und diese Bilder sehr schnell benötigt, können automatisierte Prozesse einen enormen Unterschied machen.
Im im Video gezeigten Workflow arbeitet Evoto über ein Credit-System. Kosten entstehen insbesondere dann, wenn fertig bearbeitete Bilder exportiert werden. Dadurch lassen sich einzelne Bearbeitungen wirtschaftlich relativ genau kalkulieren.
Vorteile von Evoto
- extrem schnelle Portrait- und Beauty-Retusche,
- viele automatisierte Korrekturen,
- gut für größere Mengen an People-Aufnahmen,
- Hintergründe können teilweise automatisch bereinigt werden,
- deutliche Zeitersparnis gegenüber manueller Retusche,
- Kosten lassen sich pro exportiertem Bild kalkulieren.
Nachteile von Evoto
Der größte Nachteil liegt weniger in der technischen Umsetzung als in der Stärke des Eingriffs.
Wer die entsprechenden Regler weit nutzt, verändert nicht mehr nur Belichtung, Kontrast oder Farbe. Körperformen können angepasst, Hautstrukturen verändert, Haare korrigiert und Hintergründe bereinigt werden.
Damit entfernt man sich sehr deutlich von einer dokumentarischen oder puristischen Vorstellung von Fotografie.
Auch die Versuchung, zu viel zu verändern, ist entsprechend groß. Nur weil eine Software einen Eingriff ermöglicht, bedeutet das nicht automatisch, dass dieser für jedes Bild sinnvoll ist.
Gerade deshalb sollte Evoto bewusst eingesetzt werden: als spezialisiertes Werkzeug für eine konkrete Aufgabe und nicht zwangsläufig als automatischer Standard für jedes Portrait.
Radiant Photo vs. Luminar vs. Evoto: Wo liegen die Unterschiede?
| Software | Stärkster Einsatzbereich | Größter Vorteil | Größter Nachteil |
|---|---|---|---|
| Radiant Photo | Schnelle Bildentwicklung und Optimierung | Sehr schnell und nah an der ursprünglichen Aufnahme | Weniger Möglichkeiten für umfangreiche Retusche und Manipulation |
| Luminar | Umfangreiche und kreative Bildbearbeitung | Viele starke Einzelwerkzeuge und kreative Möglichkeiten | Komplexerer Workflow und größere Gefahr der Überbearbeitung |
| Evoto | People-, Beauty- und Portrait-Retusche | Enorme Zeitersparnis bei automatisierter Retusche | Sehr starke Eingriffe in das ursprüngliche Bild möglich |
| Lightroom | Bildverwaltung und RAW-Entwicklung | Umfangreiches und etabliertes Gesamtsystem | Für einfache Aufgaben teilweise komplexer als notwendig |
| Photoshop | Präzise Retusche, Compositing und komplexe Manipulation | Extrem großer Funktionsumfang | Zeitintensiver und komplexer Workflow |
Genau deshalb ergibt es wenig Sinn, Radiant Photo, Luminar und Evoto ausschließlich gegeneinander antreten zu lassen.
Radiant möchte möglichst effizient entwickeln. Luminar bietet einen Werkzeugkasten für umfangreichere Veränderungen. Evoto spezialisiert sich stark auf automatisierte Retusche.
Die sinnvollste Software hängt deshalb nicht nur vom Fotografen ab, sondern oftmals sogar vom einzelnen Bild.
Brauchen wir überhaupt Bildbearbeitungsprogramme?
Und genau an dieser Stelle wird es für uns persönlich kompliziert.
Denn eigentlich vertreten wir seit Jahren eine ziemlich klare Philosophie:
Versuche das Bild bereits in der Kamera so gut wie möglich zu machen.
Licht setzen. Belichtung bestimmen. Den richtigen Weißabgleich wählen. Bildstile einstellen. Farben bereits während des Shootings bewusst gestalten.
Wir lieben diesen Gedanken.
Ein Foto zu machen, auf das Kameradisplay zu schauen und zu wissen: Das ist es.
Nicht: „Das kann ich später retten.“
Nicht: „Den Hintergrund mache ich später.“
Nicht: „Die Haut bekomme ich in Photoshop schon irgendwie hin.“
Sondern tatsächlich zu fotografieren.
Es gibt etwas unglaublich Befriedigendes daran, wenn Licht, Moment, Kameraeinstellung und Bildidee bereits beim Auslösen zusammenpassen.
Und trotzdem wäre es unehrlich zu behaupten, dass dieser Ansatz heute jeden professionellen Auftrag vollständig abbildet.
Zwischen Out-of-Cam-Philosophie und den Anforderungen der Kunden
Fotografie ist auf der einen Seite Leidenschaft, Kreativität und Handwerk.
Auf der anderen Seite ist professionelle Fotografie aber auch eine Dienstleistung.
Und spätestens hier entsteht ein Spannungsfeld.
Ein Kunde bezahlt am Ende häufig nicht dafür, wie romantisch unser fotografischer Prozess war. Er bezahlt für ein Ergebnis.
Und immer häufiger gehört zu diesem Ergebnis auch Geschwindigkeit.
Bilder entstehen heute nicht zwangsläufig für ein Magazin, das in drei Monaten erscheint. Sie werden teilweise am gleichen Abend für Social Media benötigt. Content Creator möchten Bilder posten, Marken müssen Kampagnen veröffentlichen und Unternehmen erwarten schnelle Auswahl- und Freigabeprozesse.
Die Frage lautet dann plötzlich nicht mehr nur:
Wie gut kann ich dieses Bild bearbeiten?
Sondern:
Wie gut kann ich es in der verfügbaren Zeit bearbeiten?
Und genau da verändern Programme wie Radiant Photo oder Evoto die Rechnung.
Wenn ein automatisiertes Tool einen Arbeitsschritt innerhalb weniger Sekunden erledigt, für den wir früher mehrere Minuten benötigt hätten, dann ist das wirtschaftlich relevant.
Bei einem Bild vielleicht kaum.
Bei zehn Bildern merkt man es.
Bei hundert Bildern wird daraus ein kompletter Arbeitstag.
Und trotzdem bleibt dieser kleine innere Konflikt.
Denn je stärker die Software eingreift, desto mehr stellt sich für uns die Frage: Wo endet Bildbearbeitung – und wo beginnt die Erzeugung einer neuen Realität?
Eine Belichtung zu korrigieren fühlt sich anders an als einen Himmel auszutauschen. Einen störenden Pickel zu entfernen fühlt sich anders an als einen kompletten Körper umzuformen.
Diese Grenze muss jeder Fotograf und jede Fotografin selbst definieren.
Für uns bleibt die Kamera weiterhin der wichtigste Teil des Prozesses. Wir möchten ein gutes Foto fotografieren und nicht erst am Computer erschaffen.
Aber wir wollen gleichzeitig nicht ignorieren, dass moderne Werkzeuge existieren und dass Kunden teilweise genau die Ergebnisse verlangen, die sich damit effizient produzieren lassen.
Vielleicht ist deshalb nicht die Frage, ob Bildbearbeitung gut oder schlecht ist.
Vielleicht ist die entscheidende Frage vielmehr:
Warum bearbeite ich dieses Bild – und wie weit muss ich wirklich gehen?
Unser aktueller Workflow: Für jede Aufgabe das passende Werkzeug
Aus dieser Überlegung hat sich ein Workflow entwickelt, der nicht mehr auf eine einzige Software setzt.
Radiant Photo übernimmt die Bilder, bei denen eigentlich schon alles vorhanden ist und lediglich das vorhandene Potential etwas stärker sichtbar werden soll.
Luminar kommt zum Einsatz, wenn ein einzelnes Bild mehr Aufmerksamkeit benötigt: Rauschen reduzieren, Schärfe optimieren, Strukturen herausarbeiten oder gezielte kreative Veränderungen durchführen.
Evoto wird interessant, sobald People-Retusche in größerem Umfang und unter Zeitdruck benötigt wird.
Und für besonders komplexe Aufgaben bleiben Programme wie Photoshop natürlich weiterhin extrem leistungsfähig.
Auch JPEG-Dateien spielen dabei eine wichtige Rolle. Wenn bereits während des Shootings Bildstil, Weißabgleich, Licht und Belichtung bewusst gesetzt wurden, ist nicht zwangsläufig bei jedem Foto eine vollständige RAW-Entwicklung notwendig.
Manchmal ist das Bild bereits fertig – bis auf eine Kleinigkeit.
Und genau dann ist ein Werkzeug besonders wertvoll, das diese eine Aufgabe schnell erledigt, anstatt einen komplett neuen Workflow aufzubauen.
Was ist mit Capture One und spezialisierten KI-Workflows?
Capture One gehört selbstverständlich ebenfalls zu den etablierten professionellen Bildbearbeitungsprogrammen. Im im Video beschriebenen Workflow spielt die Desktop-Version aktuell allerdings keine zentrale Rolle; genutzt wurde bislang vor allem die mobile Variante.
Darüber hinaus existieren immer mehr spezialisierte Lösungen für große Bildmengen, Reportagen, Hochzeiten und Events. Diese Programme verfolgen häufig einen stark kommerziellen Ansatz: Aufgaben werden automatisiert, die sonst viel Arbeitszeit kosten würden.
Gerade bei mehreren tausend Bildern kann dieser Ansatz wirtschaftlich interessant sein. Gleichzeitig handelt es sich um einen sehr spezifischen Workflow, der nicht für jeden Fotografen relevant ist.
KI in der Bildbearbeitung: Werkzeug oder Manipulation?
Mit modernen Bearbeitungsprogrammen wird auch die Diskussion über künstliche Intelligenz immer wichtiger.
Dabei sollte man verschiedene Formen von KI nicht automatisch miteinander gleichsetzen.
Eine Software kann ein Bild analysieren und auf Basis trainierter Modelle entscheiden, welche klassischen Regler sinnvoll verändert werden könnten. Das Ergebnis basiert trotzdem vollständig auf den vorhandenen Bildinformationen.
Eine andere Software kann dagegen Bildbestandteile erzeugen, entfernen oder ersetzen.
Fotografisch ist das ein erheblicher Unterschied.
Wenn Kontrast, Klarheit oder Belichtung automatisch angepasst werden, verstehen wir das eher als moderne Form der Bildentwicklung.
Wenn ein neuer Himmel generiert oder ein komplettes Objekt hinzugefügt wird, verändert sich dagegen der Inhalt der Aufnahme.
Je stärker generative Funktionen eingesetzt werden, desto wichtiger wird deshalb auch Transparenz gegenüber Betrachtern und Auftraggebern.
Fazit: Welche Bildbearbeitungssoftware ist die beste?
Die ehrliche Antwort lautet: Keine.
Zumindest nicht in jeder Situation.
Radiant Photo gefällt uns besonders dann, wenn ein gutes Foto einfach schnell etwas besser werden soll, ohne seinen ursprünglichen Charakter zu verlieren.
Luminar bietet deutlich mehr kreative Möglichkeiten und starke Werkzeuge für Aufnahmen, die eine intensivere Bearbeitung benötigen.
Evoto ist ein hoch spezialisiertes Werkzeug, das insbesondere bei People-Fotografie enorme Mengen an Retuschearbeit automatisieren kann – gleichzeitig aber auch die stärksten Eingriffe in das ursprüngliche Bild ermöglicht.
Lightroom und Photoshop bleiben extrem leistungsfähige Standards, sind für einen bewusst reduzierten und schnellen Workflow aber nicht zwangsläufig immer die effizienteste Lösung.
Am Ende sollte deshalb nicht die Software bestimmen, wie wir fotografieren.
Die Reihenfolge sollte genau andersherum sein.
Erst kommt das Bild. Dann die Frage, was dieses Bild überhaupt noch braucht.
Vielleicht benötigt es nur etwas Kontrast.
Vielleicht eine gezielte Retusche.
Vielleicht verlangt der Auftrag eine umfangreiche Manipulation.
Und manchmal braucht es überhaupt keine Bearbeitung.
Genau darin liegt für uns auch weiterhin der schönste Zustand der Fotografie: eine Kamera in der Hand, gutes Licht vor uns und auf dem Display bereits genau das Bild, das wir eigentlich haben wollten.
Wenn uns moderne Software anschließend Arbeit abnehmen kann, ist das großartig.
Aber sie sollte für uns möglichst ein Werkzeug bleiben – und nicht der Grund, warum wir beim Fotografieren weniger genau hinschauen.
