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SPRINGENDES MODEL IM STUDIO FOTOGRAFIEREN

Dieses Tutorial konzentriert sich auf die Studiofotografie eines bewegten Models in springender Form. Einige wichtige Tipps und Tricks vereinfachen die Arbeit und bringen verlässlichere Ergebnisse.

Schwierigkeit: Einsteiger // Ausrüstungslevel: Gewöhnliche Studiofotografie (Starker Studioblitz, One-Light)


Im heutigen Beitrag geht es um das folgende Sprungbild. Sprungbilder sind super faszinierend, denn es steckt Lebendigkeit und Dynamik in derlei Aufnahmen. Solche Fotos sind nicht wirklich schwer zu machen und daher gibt es heute eine kleine “Tipps und Tricks”-Anleitung, wie man Schritt für Schritt zum fertigen Sprungbild kommt.

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Trockenübungen

Wichtig ist es, am Anfang entsprechende Trockenübungen mit dem Model zu machen. Sprungbilder fangen nämlich in erster Instanz beim Model an – eine Bewegungslegasthenie ist denkbar unschön zu fotografieren. So fies das jetzt klingen mag, “schön” zu springen ist garnicht so einfach. Daher übt man mit dem Model das Springen an einem bestimmten Punkt im Raum. Um später entsprechend Licht setzen zu können muss das Model in der Lage sein, an genau dem gewünschten Fleck in der Luft zu sein und das immer wieder und wieder.

Dabei ist es auch besonders produktiv, verschieden Sprungposen durchzuprobieren. Kleider fliegen unterschiedlich, Körper sind verschieden proportioniert. Welcher Fuß steht vorne, welcher Fuß hinten? Geht das alles auf den gewählten Schuhen? Muss man evtl. andere Schuhe anziehen? Halten das die Haare aus oder muss man evtl. die Haare anders stylen lassen? Etc. etc….

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Streckung in den Extremitäten

Ein wichtiger Tipp für Sprungbilder ist es, die Füße und Zehenspitzen zu strecken – dadurch werden die Gliedmaßen optisch so lang wie möglich und eine Frau wirkt grazil, Leichtfüßigkeit wird auch oft daran fest gemacht. Die Extremitäten wirken dadurch grazil puppenhaft und eine gewisse Leichtigkeit entsteht!

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Blende zu ist sicher

Danach geht es direkt zu den technischen Settings. Für Sprungbilder ist eine gewisse technische Sicherheit sehr sinnvoll, der Tipp geht daher in die Richtung f16-f22! Blende richtig zumachen, sodass Schärfe und Fokus so gut wie keine Probleme mehr darstellen können. Gerade bei einem springenden Model trifft diese nicht immer die selbe Stelle, jedenfalls nicht zu 100%. Umso wichtiger ist eine hohe Tiefenschärfe! Zudem fällt bei geschlossener Blende das lästige Vorfokussieren weg. Der Fokus wird einmal gesetzt, der Fokusschalter auf MANUELL umgelegt und danach muss niemand mehr fokussieren und es ist sehr sehr wahrscheinlich trotzdem alles scharf! Jippie!!

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3, 2, 1… JUMP

Serienbilder machen bei derlei geschlossenen Blenden eher weniger Sinn. Daher ist es ratsam, jede Auslösung gemeinsam mit dem Model zu timen. Mit dem allseits bekannten und ebenso beliebten “3, 2, 1… LOS!” aktiviert man für jede Auslösung das Model erneut für einen Sprung. Und am Besten markiert man am Anfang den Absprungpunkt und den Landepunkt: so sorgt man nämlich dafür, dass das Model so gut es geht immer wieder am gleichen Platz den gleichen Sprung macht.

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Blitzabbrennzeit beachten

Schärfe ist natürlich ein entscheidendes Kriterium. Manch ein Blitz ist nicht schnell genug für Sprungfotos – wobei, was heißt nicht schnell genug? Im “schlimmsten” Fall gibt es halt die eine oder andere Schliere an der Kante des Models. Find ich persönlich gar nicht so schlimm, man sollte aber trotzdem gucken, dass man den Blitz nicht unnötig langsam macht. Die allermeisten Studioblitze brennen auf maximaler Leistung am schnellsten ab. Daher ist der Tipp, die Leistung auf MAX zu stellen ein sehr sicherer!! Euer Gerät kann zwar immer auch anders konstruiert sein, aber die Wahrscheinlichkeit, dass es passt, ist sehr hoch.

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Die Sache mit dem Licht

Bei Sprungfotos mag ich den Einsatz von extrem harten Lichtquellen. Z.B. einem normalen Reflektor oder einem Engstrahler. Spots oder Fresnel-Linsen bieten auch gute Möglichkeiten, ein sehr knackiges Licht zu machen, denn aus meiner Erfahrung heraus verwässert ein Sprungfoto sehr gerne, wenn zu weiches Licht eingesetzt wird! Gerade im Studio bei einer künstlichen Lichtsetzung sollte man den Sprungmoment herauskitzeln und die knackige Schärfe und Brillanz von harten Lichtquellen hilft dabei. Zusätzlich ist der Schatten wichtig, um die Fluglogik zu erzeugen. Ohne Schatten erkennt man nicht, dass das Model gerade in der Luft ist!!! Denn der Schatten verbindet das Model mit dem Boden oder trennt es eben davon ab. Schaut euch das Bild nochmal genauer an, der Schatten ist extrem wichtig für unsere Sehlogik, gerade weil wir im weißen Nichts des Studios sonst keine großartigen Ansatzpunkte für das menschliche Auge finden.

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Auf unserem Foto sehen wir einen richtig schönen Schlagschatten hinter dem Model. Ein zweites Model sozusagen, nur eben in Schattenform. Wichtig bei diesem Schatten ist allerdings, dass der Schatten nicht tief schwarz sein darf, sondern nur leicht grau. Um das zu erreichen, gibt es einen Trick: man nutzt die Hohlkehle bzw. den Raum drumherum! In unserem Fall hatten wir sogar eine Hohlkehle über Eck, aber es genügt auch links und rechts vom Model viel weiße Wand. Dadurch, dass das Licht sehr weit um das Model herum gestreut wird, erzeugt man sich Streulicht im Raum und dieses vagabundierende Licht hellt das gesamte Motiv auf.

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Mit nur einer Lichtquelle erzeugen wir somit ein Hauptlicht und zusätzlich die Aufhellung des Schattens.

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Üben, üben, üben

Ich selbst mache leider viel zu wenige Sprungfotos! Das muss ich zugeben. Warum? Weil es schon im Vergleich etwas aufwendig ist und das Model natürlich körperlich auch fordert. Outfits und Haare müssen passen und können danach ruiniert sein, man hat also nicht unendlich viele Versuche! Trotzdem gilt die Devise… ÜBEN ÜBEN ÜBEN! Gerade den richtigen Moment zu treffen ist eine Frage der Erfahrung. Anfangs wird man sicherlich viel zu früh oder viel zu spät auslösen. Man muss die Fähigkeit entwickeln, die Latenz seiner Kameraauslösung mit der Location zu verknüpfen und dadurch den Moment genau zu timen! Also auf jeden Fall eine Herausforderung!

Ich drücke euch die Daumen, versucht es auch… und ja, das Bild hat einen Photoshop-Verwischer eingebaut bekommen… 😉 Warum? Tja, ehrlich gesagt: keine Ahnung! Ich tippe entweder auf Alkohol- oder auf RedBull-Einfluss…

Lieben Gruß
Martin

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