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NIKON CLS JORNS TEIL 14: BALANCE IST ALLES…

Heute möchte ich Euch anhand von ein paar Beispielfotos auf ein ganz, ganz wichtiges Thema beim Blitzen im Allgemeinen und somit auch beim CLS im Besonderen einstimmen: Die stimmige Balance zwischen Blitzlicht und dem vorhandenen Licht („Available Light“)!

Nichts ist schlimmer als eine richtig geile Location mit viel Atmosphäre zu haben (die wesentlich von der vorhandenen Lichtstimmung beeinflusst wird), nur um diese dann „kaputt zu blitzen“. Nur leider passiert das schneller als man denkt, wenn man nicht ein paar wesentliche Aspekte bedenkt.

Zunächst einmal sollte man sich von jedweden Belichtungsautomatiken an der Kamera verabschieden! Auch wenn das jetzt die gefühlt 500. Wiederholung in diesem Blog ist: Blitzfotografie ist Fotografieren im manuellen Belichtungsmodus! Basta!

Nur im manuellen Modus macht die Kamera, was Ihr wollt (!) und das dann auch konstant, ohne dass die Belichtungsautomatik durch eine kurzfristige veränderte Abstimmung des Ambient Light (Umgebungslicht) irritiert wird. Und was Ihr wollt, ist relativ einfach: Ihr wollt das Umgebungslicht mit einfangen und dem Motiv (in diesem Beispiel: dem Model) nur soviel Blitzlicht zur Aufhellung mitgeben, dass es nicht in der Dunkelheit „absäuft“.

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Wie macht man das? Nun, das ist relativ einfach: Man geht zunächst hin und misst (mit dem kamerainternen Belichtungsmesser oder mit einem Handbelichtungsmesser) das vorhandene Licht und tut somit erst mal so, als wenn Ihr ohne Blitz fotografieren wollt. In den Beispielen, die Ihr unten seht, war es wirklich ziemlich finster (nicht von den eigenen Augen täuschen lassen – diese stellen sich ziemlich schnell auf eine düstere Umgebung ein! Wie dunkel es wirklich ist, sagt Euch der Belichtungsmesser … *gg*).

Meine Messungen vor Ort haben ergeben, dass ich für die Fotos bei relativ offener Blende (~ f2,8) und verwacklungsunkritischer Verschlusszeit (~ 1/125s) auf ca. ISO 4.000 gehen musste (wie bereits gesagt: in so einer Diskothek ist es dunkler als man denkt …)! Und bevor jetzt das Blitzlicht hinzu geschaltet wird, kommen ein paar ganz entscheidende Überlegungen in’s Spiel:

Zunächst: Mit der Offenblende konnte ich gut leben, denn das ist genau das, was ich wollte, nämlich das Spiel mit der selektiven Schärfe – die Möglichkeit, mein Model dadurch besser vom Hintergrund zu lösen (was hier und da aufgrund des z.T. sehr unruhigen Hintergrundes auch erforderlich war). Je nach eingesetzter Brennweite (bei dem Shooting kamen sowohl ein  50er als auch ein 85er zum Einsatz) hatte ich hier sogar noch Reserven nach unten, ohne eine allzu geringe Schärfentiefe zu provozieren (ein Großteil der Fotos ist mit Blende 2 aufgenommen).

Bei der Verschlusszeit gibt es zwei relevante Aspekte, die mich veranlasst haben, von dem ursprünglich zur Messung herangezogenen Wert von 1/125s abzuweichen: Erstens besteht beim Blitzen kaum Gefahr des Verwackelns (und da das Motiv eher statisch war, musste auch keine potentielle Bewegungsunschärfe berücksichtigt werden) und zweitens hat die Verschlusszeit maßgeblichen Einfluss auf die Einbindung des Available Lights in die Aufnahme! Je langsamer die Verschlusszeit ist, desto größeren Anteil hat das Available Light! Das hat dazu geführt, dass ich als Verschlusszeit 1/30s gewählt habe (die ohne Blitz mit Sicherheit für eine Verwacklungsunschärfe gesorgt hätten). Diese beiden Maßnahmen (etwas offenere Blende und langsamere Verschlusszeit) haben es mir dann erlaubt, mit der ISO auf verträgliche 800 – 1.000 zu gehen, was wegen der High-ISO-Fähigkeiten der D3 absolut kein Problem bereitete (Mini-Exkurs: Das Problem „Bildrauschen“ wird in heutigen Tagen weitgehend überschätzt. Bei einer korrekten Belichtung, fällt das Bildrauschen auch bei 2-3 Jahre alten Kameras nicht störend in’s Gewicht. Erst wenn man tendenziell unterbelichtet, bekommt man später Probleme in der Nachbearbeitung, weil durch das Hochziehen der Schatten im Raw-Konverter das Bildrauschen allzu offensichtlich wird. Also lieber tendenziell überbelichten!).

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Halten wir die Einstellungen fest: Blende 2, Verschlusszeit 1/30s und ISO 800. Den Blitz schalten wir jetzt im TTL-Modus dazu – das iTTL sorgt jetzt dafür, dass das Hauptmotiv „richtig“ belichtet ist. Unter einer Voraussetzung!!! Da komme ich gleich noch zu … 😉

Zunächst einmal habe ich nämlich nach den ersten Aufnahmen festgestellt, dass das Blitzlicht bzgl. der Farbtemperatur nicht so recht zum Umgebungslicht passte (es war zu kühl, was sich in einem Blaustich auf der Haut des Models auswirkte)! Dieses Dilemma habe ich mit Hilfe eine Korrekturfilters vor dem Blitzkopf umgangen (im Lieferumfang der Nikon-Systemblitze dabei) – und zwar habe ich den Amber-Filter (orange/ocker-farben) benutzt, der das Blitz „wärmer“ und somit passender machte.

Ich sprach im vorletzten Absatz von einer Voraussetzung für eine stimmige Belichtung des Hauptmotivs (= des Models) im Kontext des Umgebungslichtes. Diese Voraussetzung ist eine ganz wichtige und trifft auf alle vergleichbaren Fälle zu: Das Model darf nicht allzu sehr vom Umgebungslicht angestrahlt werden, sondern sollte sich möglichst davon abwenden und somit im Schatten stehen! Ist dem nicht so, addieren sich in vielen Fällen Umgebungslicht und Blitzlicht zu einer unschönen Überstrahlung! Als Beispielbild habe ich mal dieses Foto (siehe oben) rausgesucht, das ansonsten sehr gelungen ist, bei dem man aber partiell diesen Effekt sieht (schaut mal auf die Beine):

Wichtig war mir bei dem Shooting, dass ich nur mit einem einzigen Systemblitz unterwegs bin (als Blitz kam nur ein SB-800 zum Einsatz). Zum einen, da ich die vorhandene Lichtsituation weitgehend erhalten wollte, was beim Einsatz mehrerer Blitze schwieriger wird. Und zum anderen lassen sich die Vorteile des CLS-Systems von Nikon – nämlich die absolute Mobilität und spontane Änderungen des Settings – nur mit einem Blitz so richtig ausspielen. Die einzige Anforderung an das Model ist dann nur noch, dass sie im Regelfall den Kopf in Richtung Blitz drehen muss, um böse Schlagschatten („zweite Nase“) zu vermeiden. Ansonsten ist man relativ frei und kann mit dem Blitz mal einen Meter weiter weg und einen halben Meter mehr zur Seite gehen, etc. Sobald ein zweiter Blitz mit in’s Spiel kommt, ist das nicht mehr ganz so einfach …

Ich kann jeden nur ermutigen, sich einmal mit dem 1-Blitz-Setting auseinanderzusetzen. Insbesondere dann, wenn man so interessantes Ambient Light hat wie in diesem Fall!

Abschließend: Als Lichtformer kam ein silberner Reflexschirm (siehe unten)…

TECHNICAL Vergleich Fotos
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…oder eine Wabe zum Einsatz (siehe unten – hier brauchte ich stärker gerichtetes Licht um nicht auch die Bar zu stark anzublitzen).

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Alles in allem lässt sich sagen, dass sich die Blitztechnik sehr gut geschlagen hat (ein Akkusatz Eneloops hat für 500 Aufnahmen ausgereicht!), allein der Autofokus kam zum Teil an seine Grenzen (Schwierigkeiten wegen  zu geringem Umgebungslicht) – hier habe ich echt ein Einstelllicht analog der Studioblitze vermisst.

Bis die Tage und allzeit „Gut Licht“!

Andreas

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NIKON CLS JORNS TEIL 13: SETUP EXTREMEEEEEE… 02

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