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LICHTSETZUNG: PLATTGEMATSCHTER FASHIONLOOK

Mit einem kurzen Lighting-Beitrag wollen wir heute eine komische Sache besprechen. Eine Sache, die sicherlich die Gemüter erhitzt und auch die Geschmäcker spaltet. Und zwar geht es um folgende These: FRONTAL PLATTES LICHT IST DAS PERFEKTE FASHIONLIGHT oder umgedreht GUTES FASHIONLIGHT IST PLATTES UND FRONTALES LICHT oder auch GEILES LICHT IST NIEMALS PLATT UND DIREKT SONDERN IMMER DREIDIMENSIONAL.

Spannend ist vor allem die Tatsache, dass viele Fotografen krampfhaft versuchen das Licht des Aufklappblitzes los zu bekommen. Das Licht sei platt, frontal, viel zu kontrastreich und viel zu hart. Überall ist zu lesen dass gute Lichtführung immer irgendwie weg von der Kamera. Hauptsache nicht nahe an der Kamera weil Licht an der Kamera… da kann man ja gleich den Aufsteckblitz nehmen. Alles was an der Kamera ist, ist zwangsweise schlecht und nicht schön. Und das ist einfach Quatsch mit Soße. Natürlich ist es auch nicht ganz so extrem wie oben in der These geschrieben. Fotografie ist eben mehr als nur schwarz oder weiß sondern viel grau.

Wir haben mal einen Vergleich fotografiert. Und zwar einmal einen Shot mit einem relativ großen Schirm (ca. 100cm) und dann noch das gleiche Motiv mit einem kleinen Reflektor (ca. 15cm). Und den kleinen Reflektor haben wir dabei so nahe wie irgendwie möglich an das Objektiv gebracht. Also in Wirklichkeit hat das Objektiv sogar den Reflektor berührt. Also viel näher und kleiner kann man mit einem Studioblitz nicht werden (übrigens ist da schon wieder der kleine feine Unterschied zwischen einem Aufklappblitz und einem Studioblitzreflektor!).

Tut mir mal bitte einen Gefallen und achtet genau auf die Bildwirkung. Mir persönlich gefällt das Licht auf dem linken Bild deutlich besser. Aber das rechte Bild gefällt mir vom Look besser. Leonie wirkt viel puppenhafter und das Licht gerade im Gesicht wirkt total reduziert und fast wie eine Maske. (Ja auch darüber lässt sich trefflich streiten!) In der Fashionfotografie sollen die Modelle ja oft puppenähnlich wirken. Abstrakt und wenig menschlich.

SETUP HOW TO Tutorial PhotoSETUP HOW TO Tutorial Photo

Man sieht es sehr gut an den Schultergelenken. Auf dem linken Bild sieht man förmlich das Kugelige der rechten Schulter. Man sieht Form und Plastizität. Auf dem rechten Bild ist z.B. vom rechten Schultergelenk kaum noch was zu erkennen. Kaum Muskeln… nur einen leichten Lichtspot.

TECHNICAL Vergleich Fotos

– click on image to enlarge –

Und jetzt kommt es… Versucht doch mal zu schauen wer welchen Look besser findet. Hier geht es nämlich nicht nur irgendwelche Lehrbücher für Fotografen oder irgendwelche indoktrinierten Meinungen, sondern um Lichtwirkung.

Und wir haben den Test selbst gemacht. Wir haben diese beiden Fotos herumgezeigt und gefragt, welches Bild hat den cooleren Look? Dabei kamen wir zu folgendem Testergebnis:

Fotografen: 15 von 20 Fotografen fand das Licht auf dem linken Bild (mit dem Schirm) besser!

Weibliche Modelle: 16 von 20 Modellen fanden das rechte Bild (mit dem Reflektor) sexier!

Ok, das sagt jetzt nix über die restliche Republik aus aber definitiv etwas über ein krasses Andersdenken zwischen Fotografen und Nicht-Fotografen. Und da fragt sich doch, wer wofür Fotos macht. Für andere Fotografen oder für Nicht-Fotografen.

Natürlich mag sich nicht jeder so entscheiden. Auch bei uns haben 25% eine andere Meinung gehabt. Aber trotzdem ist es logisch als auch nachvollziehbar. Denn wenn wir in große Fashionmagazine schauen, dann sehen wir haufenweise solche Platt-Geblitzten Fotos. In der Fashionfotografie ist es üblich und sogar gewollt mit extrem platten Blitzlooks zu arbeiten. Dabei sind diese frontalen Blitzlooks schon sprichwörtlich “in style” und gehören einfach dazu. Und das ist auch der Grund warum so viele Frauen, Modelle und sonstige Zeitschriftenleser  (meisten innen :-)) auch diesen Look so mögen.

Und das ist auch der Grund, warum wir Fotografen mal nachdenken sollten warum wir wie fotografieren. Vielleicht sollten ja der eine oder andere Fotograf etwas an seinem Licht anpassen, um nicht seinen Fotografen-Lehrbuch-Meinungen gerecht zu werden, sondern dem gewöhnlichen Geschmack der Menschen auf der Straße.

Und dabei muss ja nicht immer und nur noch so gearbeitet werden. Es geht lediglich darum, zu wissen welcher Look was bewirkt und nicht ein Licht per se zu verdammen. Frontales, plattes Licht ist nicht die Lösung für Alles und Jeden aber ganz bestimmt ist es kein schlechter Look.

Viele Grüße

Martin & Marc

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