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LICHTSETZUNG: HART GLEICH SCHÄRFER

ACHTUNG: Wir meinen hier nicht die Schärfe in Form der Objektiv-Fokussierung oder der Strahlen-Fokussierung durch das Objektiv. Es ist im Endeffekt das Gesamtkonglomerat der finalen Schärfewirkung gemeint.

Viele Fotografen denken, dass Schärfe im Endeffekt von einigen wenigen Dingen abhängt. Was habe ich nicht schon gelesen in Büchern oder Foren. Schärfe hängt ab von:

  • der Güte des Objektivs. Wer billig kauft, kriegt unscharfe Fotos anscheinend!
  • der richtigen oder falschen Nachschärfung in Photoshop
  • der richtigen oder falschen Kamera
  • Megapixel
  • der Verwendung von Offenblende
  • plattem Licht

All das sind Dinge, die anscheinend das Bild unscharf oder matschig wirken lassen. Ganz selten wird aber auf das Licht eingegangen. Licht bestimmt nämlich viel mehr unsere finale Schärfe als die meisten denken. Licht formt unser Motiv und kann unser Motiv auch unscharf werden lassen. Wie das?

Ganz einfach. Licht trennt sich im Endeffekt auf in weiche und harte Schatten und damit auch gleich in Lichtkanten und Schattenkanten.
Weiches Licht hat weich verlaufende Übergänge und damit werden im Endeffekt Übergänge unschärfer. Und jetzt kommt der Rückschluss auf die Gesamtschärfe.

Schärfe ist im Endeffekt nichts anderes als kontrastreiche Kanten und Übergänge. Eine scharfe Kante hat im Detail einen hohen Kontrast. Das heißt sind die beieinander liegenden Pixel möglichst unterschiedlich in Luminanz und Farbe, so denkt unser Gehirn es sei eine scharfe Kante und das ist für uns (über ein gesamtes Bild gesehen) dann die Schärfe.

Hier einmal zwei Fotos zum Vergleich. Gleiche Kamera, gleiche Einstellung, gleich alles… bis auf das Licht. Einmal mit der Zimmerbeleuchtung aufgenommen…
TECHNICAL Vergleich Fotos

… und nachfolgend noch mit einer Taschenlampe.

TECHNICAL Vergleich Fotos

Das komplette Auto wirkt schärfer und kontrastreicher. Der Motorblock hat mehr Zeichnung, mehr Highlights und mehr Schatten. Das Spinnennetz auf der Türe wirklich gleich 1000x so scharf. Nur weil weiß mehr leuchtet und rot eben roter ist. Oder abermals der Motorblock. Dort sieht man ganz deutlich, dass oben der Block fast nur  im Graubereich in der Helligkeit liegt, während im Bild unten schwarz und weiß sich die Hand gibt. Unten haben wir Kontraste, oben haben wir kaum Kontraste sondern fast nur grau.

Machen wir es sehr plastisch. Denkt an einen Wollpullover. Dort sind im Detail einzelne Fasern zu finden. Bei einem weichen Licht sind die Fasern alle korrekt belichtet mit leichter Zeichnung. Nehme ich ein hartes Licht darauf, so bekommt jede einzelne Faser ein kleines Highlight aufgesetzt. Dieses Highlight sorgt in der Ausleuchtung dann für einen höheren Mikrokontrast und dadurch für mehr Schärfe.

Übertragen wir das ganze jetzt auf unsere Thematik der Peoplefotografie, dann wirkt das Licht dort genauso. Hartes Licht erzeugt ein schärferes Ergebnis und höhere Details als ein weiches Licht.

Auch hierzu gibt es einen Lichtvergleich aus der Praxis. Die Leonie einmal mit einem 150cm Schirm und dann nochmals mit einem puren Aufsteckblitz, ohne Lichtformer davor.

TECHNICAL Vergleich Fotos

– click on image to enlarge –

TECHNICAL Vergleich Fotos

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Bedenkt bitte, dass beide Bilder mit gleichem Objektiv, Kamera etc. gemacht und vor allem auch mit gleichen Einstellungen exportiert worden sind. Gleiche Schärfeeinstellung bei gleicher Blende… Natürlich hängen auch die obigen Kriterien mit drin, ein gutes Objektiv wird schärfer abbilden als ein schlechteres Objektiv. Aber Licht wirkt viel mehr an der Schärfe als man denkt. Einmal wirkt das Bild fast überschärft (unten) während das Portrait oben fast schon etwas weichgezeichnet in der Haut wirkt.

Wie können wir das jetzt in die Praxis übertragen? Direktes Sonnenlicht wird mehr Schärfe generieren als wenn Wolken davor sind. Habe ich eine etwas unschöne Haut, dann sollte ich nicht in hartem Licht fotografieren sondern eher das weiche Licht suchen.

Möchte ich Strukturen und Texturen herausarbeiten, dann sorgt für eine harte Lichtkante oder eine zusätzliche Schärfelichtquelle im Bild. Ein Trick aus der Praxis ist z.B. trotz einer weichen Hauptlichtquelle für das Bild noch eine zusätzliche Blitzquelle zu setzen für die Konturen und Texturen. Die kann 2-3 Blenden dunkler und damit fast unscheinbar belichtet werden, aber die Schärfe wird dadurch neue Bereich erklimmen.

So, das wars für heute… denkt man drüber nach was ihr für Erfahrungen zum Punkto LICHT & SCHÄRFE gemacht habt und schreibt diese Erfahrungen gerne in die Kommentare. Anders, gegenteilig, gleicher Meinung??? Wir wollen eure Erfahrungen lesen.

Lieben Gruß

Martin & Marc

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