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DIE GRAUKARTE IN DER PORTRAIT-FOTOGRAFIE

Im letzten Beitrag ging es um das Fotografieren von knallig und knackigen Portraits mit Dauerlicht. Verwendet haben wir einen Stufenlinser und dabei wurde kein Blitz verwendet sondern es kam Halogen-Licht zum Einsatz. Wie wir Fotografen natürlich immer wissen, haben unterschiedliche Lichtquellen eine unterschiedliche Farbtemperatur. Fotografieren wir in den Alpen, dann wird das Licht dort eine andere Farbe haben wie auf Grönland im Sommer. Und holen wir dann erst künstliche Lichtquellen wie Halogen, Wolframglühdraht oder Neonröhren dazu, dann ist es direkt vorbei. Von bläulich bis warm geht die Reichweite und dazu reiht sich ein schickes Grün oder Magenta.

Fangen wir also mit der Lösung des Problems an und wie bei jeder Farb-Unstimmigkeit geht es um ein Mangel an Wissen. Mangel an Wissen klingt hart aber damit ist im Endeffekt nichts Anderes gemeint, als dass wir einen Referenzwert kennen müssen um den “Fehler” bestimmen zu können.

Viele Fotografen denken vielleicht sogar noch, dass man den Weißabgleich nachträglich ja noch einstellen könne. Klar, kann man. Aber man weiß nachher oftmals nicht mehr, was genau eingestellt werden muss. Viele Fotografen helfen sich dabei, indem ein Wert gewählt wird, der schön ausschaut. Zugegeben, das machen wir auch oft. Warum richtig wenn es doch nur schön sein muss. Trotzdem bleibt oft das Problem, dass man gerade die Grün- und Magentastiche nur sehr aufwendig aus dem Bild getuned bekommt.

Eine Graukarte ist dabei ein einfacher Referenzwert. Die Graukarte ist grau und damit farblos. Für den Weißabgleich müsste die Karte nicht zwangsweise ein bestimmtes Grau haben sondern vielmehr “farblos” sein. Sie könnte auch heller und dunkler sein, bloß nicht weiß oder schwarz. Denn weiß oder schwarz können leicht über oder unterbelichtet werden und verlieren dann die Farbinformationen aufgrund der Belichtung.

Die Graukarte sagt der Kamera oder dem Computer nachträglich: “SIEH HER, DAS IST EIN GRAU. BITTE MACH, DASS DAS HIER AUCH NACH GRAU AUSSCHAUT IM BILD!”

SETUP HOW TO Tutorial Photo

Wir halten unsere Faltgraukarte immer am Anfang des Shootings ins Bild. Gut ist das, wenn das Model gerade geschminkt oder sonst irgendwie beschäftigt wird. Dann merkt kaum jemand das “unnötige” Foto.

Wir nutzen deshalb eine faltbare Graukarte, weil die unglaublich robust ist und auch sorglos irgendwo verstaut werden kann. Graukarten gibt es auch in Kartenform oder sogar in kleinen Etuis aus Plastik. Aber unsere Erfahrung ist, dass man oft einfach zu wenig auf diese kleinen Dinger aufpassen kann und schwups, verbogen, verknackt und und und…

SETUP HOW TO Tutorial Photo

Die Graukarte ist relativ groß und hat ein Zielkreuz. Das hilft beim Fokus auf die Karte. Sonst muss man bei anderen Karten immer den Fokus raus machen um das Foto zu machen.

SETUP HOW TO Tutorial Photo

Es gibt zwei Möglichkeiten den Weißabgleich über eine Graukarte zu setzen. Einmal eine Lösung nachträglich über die RAW-Entwicklung. Z.B. in Lightroom oder Photoshop. Die andere Lösung wäre dann schon beim Fotografieren in der Kamera. Während man aber mit der Software einen gezielten Punkt im Bild anklicken kann, so geht das leider nicht in der Kamera.

Möchte man einen Weißabgleich von der Kamera vornehmen lassen, dann braucht man dafür ein vollflächig fotografiertes Bild der Graukarte und muss der Kamera sagen, dass auf dem gesamten Bild bitte GRAU gemacht werden soll. Die Kamera passt den WB dann direkt ab und speichert diesen individuellen Wert ab. Bei Canon heißt diese Funktion CUSTOM WB.

Jetzt aber Schluss mit lustig und zum Abschluss nochmals 1-2 Fotos aus der Kamera. Natürlich wurde der WB dort bereits neutral gesetzt…

TECHNICAL Vergleich FotosTECHNICAL Vergleich Fotos

Viele Grüße

Euer Martin!

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Hier gibt es noch mehr zum Thema Graukarte und Weißabgleich auf dem Blog.

8 Kommentare

Dein Kommentar
      • Hmmh, wenn man mit einem wasserfesten Stift ein Fadenkreuz aufzeichnet … Habe es nicht probiert. Könnte aber das Fokusproblem auf den einfachen Graukarten lösen.

        • Schalte doch einfach den AF für das Foto aus. So mache ich es immer, dann ist auch der Fokussierabstand vom Objektiv egal.

  1. Ich nutze selbst so oft es geht ne Graukarte. Ich finds extrem nervig dann nachher in der Post nur schwer einen korrekten Weißabgleich hin zu bekommen ohne Karte. Hin und wieder ist ja das verschieben des Weißabgleichs auch ein kreatives Element, aber hin und wieder möchte man ja dann doch korrekt arbeiten ;D

  2. Witzigerweise hatte ich bis vor ein paar Tagen genau die in diesem Bericht verwendete, faltbare Graukart zum Testen hier. Allerdings ging sie wieder zurück, weil sie die einzige Karte war, die einen völlig anderen Weißabgleich produzierte als die Konkurrenz (u.a. Graukarten von Fotowand). Deshalb liegt die Vermutung nah, dass das hier verwendete Grau eventuell nicht Farbneutral ist.

    Und was das Auslöseproblem bei Nichtfokussierung angeht: schon mal darüber nachgedacht, den Auslöser vom Autofokus zu trennen ? Wäre auf jeden Fall eine simple Möglichkeit.

  3. gibt es denn überhaupt “die” graukarte?
    ich habe schon 2-3 unterschiedliche verwendet und wurde jedesmal hinters licht geführt 😉 entweder zu warm oder zu kalt.. im nachhinein wurde dann der weißabgleich doch an betonsäulen oder kopfsteinpflaster durchgeführt und komischerweiße kamen da meißtens bessere ergebnisse raus..

  4. Hi Martin,

    wie du schon häufig beschrieben hast ist der Weissabgleich meist ein kreatives Element der Fotografie. Da ich Tiere fotografiere kann man meistens nicht mit einer Graukarte daneben stehen 😉 ( wenn der kleine Hunger kommt ;-). Ich habe mir aus dem Grund die Expodisc zugelegt und ich muss sagen das Ding rockt.

    Ich habe schon nach anwendung, die graue und weisse Seite der Graukarte abfotografiert und war total überrascht. Ich muss aber dazu sagen als ich das Ding ausgepackt habe war ich schwer skeptisch. Nach dem Motto was is den das für ein FrEaKding. Jeder kennt diese kleinen dinge, die man kauft und im ersten Moment voll cool sind und dann in der Ecke im Irgendwo liegen und dort für immer bleiben (+Expodisc).
    Das Ding hat es in kurzer Zeit an einen Platz im Fotorucksack geschafft wo man sofort Zugriff hat oder habe sie in der Jackentasche.

    Zu erst habe ich sie ohne lesen einfach mal probiert… es keine gute Idee das zu tun, man muss wirklich das Minihandbuch lesen 🙁
    (…ich hasse Handbücher 😉

    Mich fuchst es was andere Photografen für Erfahrungen damit gemacht haben und ob der eine oder andere sie in “seiner” Weise einsetzt?

    Dann mal einen guten Start in den Februar
    Phil

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